Ein sehr zorniger Mann

DARMSTADT. Vor dem Amtsgericht Michelstadt muss sich ein Mann (49) aus dem idyllischen Reichelsheim wegen Beleidigung verantworten. Er hatte sich ans Jobcenter Erbach, das Amtsgericht Michelstadt, die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Bundesverfassungsgericht (!) gewandt und seine Schreiben mit Bösartigkeiten garniert. So verwendete  er Ausdrücke wie „Arschloch“, „korrupte Richter“, „fettgefressener Vollidiot“, „Nazischwein“, „Neonazi“, „Inzuchtsdepp“ und „geisteskranke Krüppel“.

Die Angst des Marders

Was Sie schon immer über Drogenpartys wissen wollten, sich aber nie zu fragen getrauten … und wohin das alles führt, zeigt z. B. der Film „Marihuana“ (1936) oder das wahre Leben eines Junkies wie Dietrich D. © Roadshow Attractions Inc.

HANAU. Der Marder (Martes foina) ist ein putziges Kerlchen, das die Nähe des Menschen sucht und sich bisweilen an den Gummiteilen von Automotoren gütlich gut. Umgangssprachlich bezeichnet man zweibeinige Bösewichte, die Fahrzeuge aufbrechen, um sie zu entwenden oder auszuräumen, ebenfalls als „Marder“. Sie sind nicht putzig. Sie sind bisweilen süchtig. Wie Dietrich D., der jetzt vom Landgericht verurteilt wurde (hier und hier). Sein Leben ist ein einziges Fiasko. 

Das Gericht zieht sich zur Erholung zurück

HANAU. Pause im Volkeprozess. Noch bis Monatsende. Das Gericht macht Urlaub. Die Regeln für Unter­brechun­gen in Mammutver­fahren sind eine Wissen­schaft für sich. Da müssen sich selbst Kammer­vorsit­zende bisweilen in den Paragra­phen 229 StPO vertiefen. Aber darf sich die Justiz in die schönsten Wo­chen des Jahres verabschieden, wäh­rend zwei Angeklagte in U-Haft sit­zen? Ja, darf sie. Immerhin besteht nach wie vor dringender Tatverdacht. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach zwei­und­zwanzig Pro­zesstagen.

Kein Raub beim Olli daheim

Ein Raub zeichnet sich nicht nur durch Einsatz gewaltsamer Mittel aus, wie er hier Harold Lloyd in „An Eastern Westerner“ (1920, ©Pathé) widerfährt, sondern auch durch den „finalen Zusammenhang“. Und der war in Ollis Fall halt nicht da.

HANAU. Nicht gut gelaufen für Olli. Gar nicht gut. Erst haben sie ihn zuhause überfallen und erheblich verletzt, obwohl er nur nett sein wollte zu Leyla und ihren Bekannten. Und jetzt steht er auch noch als Drogenhändler da, der im Prozess wiederholt als „Angeklagter“ bezeichnet wird. Obwohl er doch der Geschädigte ist. Und dann kommt raus: Es war gar kein Raub. 

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Besser: Konsequenzen ziehen

HANAU. Sieht so aus, als sei das Verhältnis zwischen Polizei und Landgerichtsspitze ein wenig getrübt. Es geht um die deutliche Kritik von Präsidentin Susanne Wetzel an der Ermittlungsarbeit im Fall des angeblich unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings Dawit W., der seinen Freund in Schlüchtern massakrierte (hier). In ihrer Urteilsbegründung war von der Jugendkammervorsitzenden unter anderem moniert worden, die Beamten hätten ein Altersbestimmungsgutachten einzuholen versäumt. Dann wäre nämlich rechtzeitig herausgekommen, dass W. bereits mindestens sechsundzwanzig ist.

Voll schuldfähig trotz Sucht?

Wie die Droge ihr Opfer beherrscht: 1965 veröffentlichte das Life Magazine die Story „The World of Needle Park“, eine Geschichte zweier Menschen an der Nadel. ©Bill Eppridge, Life Magazine

HANAU. Für den Automarder und Seriendieb Dietrich D. könnte es eine weitere letzte Chance geben. Vielleicht wird er ja noch einmal in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Die Staatsanwältin ist dafür. Dann müsste er von seiner Strafe vermutlich nur einen kleinen Teil absitzen. Obwohl es schon zweimal nicht geklappt hat mit dem Entzug.

Stoff aus der „Pension Mama“

HANAU. Vermögensabschöpfung heißt die neue Waffe der Justiz im Kampf gegen Drogenhändler (und nicht nur gegen die). Was dies bedeutet, mussten nun zwei junge Männer erfahren, die mit dem An- und Verkauf von Marihuana reich zu werden gedachten. Die Strafen der Jugendkammer fielen noch milde aus – aber das dicke Ende kam nach.

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