Tabakverfahren zieht um

HANAU. … dann waren’s nur noch fünf! So viele sind von einst einundzwanzig Angeklagten nach fast vier Jahren Prozessdauer im Tabakverfahren noch übrig geblieben. Mit Beginn 2018 zieht die Wirtschaftsstrafkammer deshalb vom CPH ins Justizgebäude um. Das spart Kosten. Übrigens: Mit zwei Jahren auf Bewährung wurde kürzlich ein weiterer Tabakspediteur aus dem Verfahren „entlassen“. Allerdings wartet auch in seinem Fall das Finanzamt mit einer Millionenforderung gegen ihn auf. 

 

Willi woas nix

HANAU. Bisweilen haben auch Mordprozesse ihre komische Seite. Wenn Originale in den Zeugenstand treten zum Beispiel. Typen wie der Willi aus Eisentratten. Willi ist der beste Freund des Angeklagten. Er weiß nicht viel zur Sache zu sagen, nur eins weiß er sicher: „Er woar’s net.“

Verdächtige Spuren im Sand

Wir wissen es vom König der Meta-phern: Aus dem großen Schlaf gibt es kein Erwachen mehr, beim Dösen hin-gegen schon. Taschenbuchausgabe von Chandlers Meisterwerk ©Penguin/Graber

HANAU. Also gut. Nur gedöst hat sie, die Zeugin Sch., nicht geschlafen. Darauf legt sie Wert. Und die beiden Knallgeräusche, Schüsse vermutlich, habe sie deutlich vernommen, ebenso wie den Klingelton ihres Mobiltelefons, woraufhin sie nach Hanau gefahren sei am Mittag des 6. Juni 2014. Aber zu diesem Zeitpunkt müssen die Klocks noch am Leben gewesen sein. 

Verloren im Bermudadreieck

Eine strahlende Braut im Glück. Petra und ihr erster Ehemann Günther. Die Ehe wurde 1986 geschlossen. Sie ging schief. 1997 heiratete sie den Juristen Dirk M. Foto: privat

HANAU. Am Ende hockte Petra M. jeden Tag in einem der drei Hanauer Weinlokale, manchmal schon morgens, obwohl im Kühlschrank zuhause gähnende Leere herrschte - alkoholkrank, eingeschüchtert, einsam. Und übersät mit blauen Flecken, was viele wussten. Geholfen hat ihr niemand. Sie hat ja auch nie um Hilfe gebeten. Und dass es da Typen gab, die ihre Lage schamlos ausnutzten, ist einmal mehr zum Kotzen.

Schlaf oder Schlummer

Rund 130 Meter Luftlinie trennen den Ort des Geschehens von der Liege, auf welcher die Zeugin Andrea S. ruhte. © GoogleEarth

HANAU. Die wichtigste Zeugin im Prozess um den Tod des Ehepaars Klock ist für die Nebenklage eine Frau, die zur Tatzeit in etwa hundertdreißig Meter Entfernung auf einer Gartenliege ruhte. Aber wie ruhte sie? Im Tiefschlaf oder nur dösend? Sie gibt an, von zwei Schüssen (oder schussähnlichen Geräuschen) aufgeschreckt worden zu sein. Das kann viel bedeuten. Oder gar nichts. 

Bei Anruf Mord?

Von Meister Hitch genial in Szene gesetzt: Auch die raffiniertesten Pläne haben ihre Schwächen. ©Warner Bros

HANAU. Es besteht der Verdacht, dass der des Mordes angeklagte Ex-Anwalt Dirk M. einen perfiden Plan auszuführen versuchte: Kurz bevor er am Abend des 21. März seine Wohnung betrat und den Notarzt alarmierte, „telefonierte“ er von unterwegs noch mit seiner Frau. Er hatte sich dazu extra einen Zeugen organisiert. Zu diesem Zeitpunkt aber lag Petra M. bereits im Sterben. 

Auftritt der älteren Damen

HANAU. So ist das nun mal mit dem Strafrecht: Im Mittelpunkt stehen die Täter, nicht die Opfer. Sie treten als Geschädigte auf, als Zeugen – und manchmal wird überdies noch ihre Krankengeschichte im Prozess breitgetreten. So war das auch im Fall der drei Flüchtlinge, die eine junge Frau missbrauchten. Jetzt wurden die Urteile gesprochen: Freiheits­strafen zwischen drei Jahren und drei Jahren, neun Monaten.  

Thermisches Ereignis im Bad

HANAU. Am zweiten Verhand­lungs­tag im Prozess gegen den ehemaligen Hanauer Rechts­an­walt Dirk M. wegen Mordes an seiner Ehefrau sag­en Gut­achter und der ermit­telnde Kommissar aus. Die entschei­denden vierund­zwanzig Stun­den im Le­ben und Sterben der Petra M. lassen sich anhand zahlreicher Indizien recht gut rekonstruie­ren. Polizei und Staatsanwalt­schaft haben in die­sem Fall eine hervorra­gende Er­mittlungsarbeit abgeliefert.

Mein Bruder, das Biest

Mörder im Janker? Obschon er 2016 im Besitz der Waffe war, wurde es im Verlauf der Beweisaufnahme immer unwahrscheinlicher, dass Lutz H. selbst die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Es ist sogar fraglich, ob er überhaupt an der Tat beteiligt war. ©D. Graber

HANAU. Der Fall Volke ist eigentlich die Geschichte einer Familie. Und wie bei den allermeisten Familiengeschichten gibt es da die  Erfolgreichen und die Verlierer, die Starken und die Schwachen, Guten und die Bösen. Die handelnden Personen in entsprechende Kategorien einzuordnen, aber ist selten einfach. So auch hier. 

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