Aufgeräumter Advokat

„Gar gut bei allem ist Ordnung“, meinte Homer. Na ja, zumindest wenn man einen Prozess gewinnen will. Hier ein Anwaltsschreiben der besonderen Art.

HANAU. Wer Ordnung halte, sei bloß zu faul zum Suchen, lautet ein Sprichwort. Suchende gibt es auch in der Welt des Rechts, und manchmal bringen sie in ihren Schriftsätzen entzückende Stilblüten zustande, die einem dann klar machen, warum sie das Prinzip der Ordnung nicht verstanden haben. Wie im Falle jenes Frankfurter Advokaten (zugelassen bei AG, LG und OLG!), der für seinen Mandanten einen Zivilprozess vor dem Hanauer Amtsgericht führte. Dabei ging so ziemlich alles daneben. Er verwendete in seinem Schriftsatz ein falsches Geschäftszeichen und versäumte die Erwiderungsfrist. Seine Entschuldigung: „Ich war kurzfristig im Krankenhaus.“ Und: „Ich hatte mein Büro ,aufgeräumt‘ und fand nichts mehr; jedenfalls nicht das, was ich dringend suchte.“

Treuherzig bat er um Verlängerung der Frist, es hätte ja noch so viel zu sagen gegeben – indes, die Sache war schon verloren. Tja, wer zu spät kommt … Auch so ein Spruch. Vielleicht hat sich unser Mann des Rechts auch zu sehr auf Kurt Tucholsky verlassen: „Die Seele aller Ordnung ist ein großer Papierkorb!“ Nun aber Schluss mit den Aphorismen, sonst finde ich kein Ende mehr! P.S.: Namen und Vorgang sind der Redaktion bekannt.