Des Mannes Stolz – verletzt

HANAU. (dig) Auf den letzten Metern gerät der Volkeprozess noch mal zu einem erbitterten Kampf der Verteidigung von Banu D. mit allen Mitteln der Strafprozessordnung. Obwohl es bisher keinerlei Beweise für die von der Anklage favorisierte Theorie gibt, Banu D. habe die tödlichen Schüsse auf den Unter­nehmer Jürgen Volke in der Nacht zum 8. September 2013 abgegeben, hält die Strafkammer, wie berichtet, stur an dem Haft­befehl gegen die junge Frau fest. Die Anwälte Fuchs (Frankfurt) und Küster (Wiesbaden) konter­ten nun mit einem Ablehnungs­antrag wegen Befangenheit.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Peter Graßmück wiede­rum parierte diesen taktischen Zug mit der Begründung, die Ablehnung sei nicht, wie es Pa­ragraph 25 StPO fordert, „unver­züglich geltend gemacht“ wor­den. Sie war am 17. Januar bei Gericht, der Beschluss über die Fortdauer der Untersuchungshaft aber bereits am 5. bei den  Ver­teidigern eingegangen. Fuchs und Küster hielten dem entgegen, sie hätten sich im Urlaub befunden, schließlich sei ja eine vierwö­chige Prozesspause eingelegt worden. Nutzte nichts: Antrag abgelehnt.

Erneut wurden im Schwurge­richtssaal 215 mehrere Telefon­gespräche zwischen Banu D. und ihrem damaligen Lebensgefähr­ten Lutz H. zu Gehör gebracht, die wenige Tage nach dem Ver­brechen mitgeschnitten worden waren. Es sind harmlose Dialoge. Die beiden sprechen auch über die Tat, die Vernehmungen, die Durchsuchung der Jagdhütte von Lutz H. bei Hohenstein im Tau­nus. Über das Mordopfer sagt er: „Gemocht habe ich ihn nie. Aber mir tut es leid um die Familie, um die Kinder …“  Er macht ihr  Vorwürfe wegen Cengiz G., mit dem sie hinter seinem Rücken die (Tat)Nacht verbrachte, und auch, weil sie sein Auto auf dem Weg zu diesem Rendezvous be­schädigte. „Ich passe auf die Kinder auf, und du bist mit dem unterwegs!“ Es ist der verletzte Stolz eines Mannes, der sich hintergangen und ausgenutzt fühlt. Banu D. antwortet: „Er ist nett, man kann sich gut mit ihm unterhalten, und das war’s. Er ist nicht mein Typ. Dich liebe ich!“ Es ist eine Geschichte wie sie in unzähligen Beziehungen vor­kommt. Nichts, was auf die Be­teiligung an einem Verbrechen hinweisen würde. An einer Stelle sagt Banu D. mit einer Mischung aus Resignation und Belustigung: „Da will man mal heimlich was machen, sich mit einem Typen treffen – und dann das …“ Sie wird kaum geahnt haben, welche Folgen dieses kleine Abenteuer  für sie haben würde.