"Pack steht rum, raucht, liest Zeitung"

Der alte Mann und die junge Schöne: Schubert, Gattin Meharit (Foto: privat)

FRANKFURT. (sam) Sie war eine der schil­lerndsten Figuren der Frankfurter Ge­sellschaft, als sie, blutjung, im Som­mer 2009 den betagten Bruno H. Schubert heiratete.  Meharit Kifle, die aus Äthiopien stammende Belgierin, wurde die zweite Frau Schubert und zog ein in die Villa ihres 62 Jahre älte­ren Gatten, dem ehemaligen Braue­reikönig, dem großzügigen Mäzen, Honorarkonsul und Frankfurter Eh­renbürger.  Fünfzehn Monate später war sie Witwe. Nach Schuberts Tod  entbrannten lebhafte Rechtsstreitig­keiten zwischen Hanns Peter Nerger, dem Sohn Schuberts, und der schö­nen Witwe. Dabei ging es vor allem ums Erbe, das Nerger als Vorsitzender der nach seinem Vater benannten Umweltstiftung ungeteilt für diese beanspruchte – ebenso wie die Witwe es für sich tat. Am Ende ob­siegte sie vor dem Bundesgerichtshof. So weit, so bekannt – zumindest den Lesern bunter Blätter und Kennern der Frankfurter Society .

Nun musste sich das Gericht erneut mit den streitenden Parteien befas­sen. Gegenstand der Auseinanderset­zung ist ein Strafantrag Nergers, in dem er Meharit Schubert bezichtigt, ein vertrauliches Gespräch heimlich aufgezeichnet  und dessen Inhalt Drit­ten zugänglich gemacht zu haben. Das ist nach deutschem Strafrecht ein Vergehen und nach schweizerischem wohl auch. Juristen nennen das „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“, das Strafgesetzbuch hat dafür einen Paragraphen (§ 201) und einen Strafrahmen (bis zu drei Jahre Haft).

Interessanterweise geht es aber in dem Verfahren vor dem Frankfurt Amtsgericht nun gar nicht um das vermeintliche oder tatsächliche straf­bare Verhalten der schönen Meharit. Es geht darum, ob Nerger seinen Strafantrag gegen sie rechtzeitig er­stattet hat, nämlich innerhalb von drei Monaten, nachdem er von dem tatsächlichen oder vermeintlichen Rechtsbruch erfahren hatte.

Das muss das Amtsgericht nun klären. Deshalb ist Hanns Peter Nerger aus Berlin als Zeuge angereist und Meharit Schubert, die nun wieder ih­ren Mädchennamen Kifle angenom­men haben soll, zu Hause geblieben. Sie wird vertreten von dem erfahre­nen Rechtsanwalt Bernd Schneider und dessen Sohn Thomas.

Hanns Peter Nerger sitzt nun also im Zeugenstand. Er trägt einen Trach­tenjanker und blank polierte Slipper mit Bommeln. Das volle, weiße Haar ist akkurat frisiert. Die Goldrandbrille komplettiert seine distinguierte Er­scheinung.  Er soll berichten von je­nem vertraulichen Gespräch, das Anfang August des Jahres 2008 bei einer Vermögensverwaltungsgesell­schaft in Zürich stattfand, in dem es um das Auslandsvermögen von Bruno H. Schubert ging und über das es eine Aufzeichnung auf einem Tonträger geben soll.

Nerger schildert strukturiert und in geschliffener Sprache die Gesprächs­runde, die vor nunmehr sieben Jah­ren in Zürich zusammen kam. Das wa­ren: der Inhaber der Finanzgesell­schaft, Marcel Studer, der sich mehr als 40 Jahre lang um das Schubertsche Vermögen kümmerte, ein Abteilungsleiter, schließlich der spätere Erblasser selbst, Meharit Kifle und Hanns Peter Nerger.  Es soll um, sagen wir mal, „Steuerversäumnisse“ des Bierkönigs gegangen sein und wie man diese bereinigen könne. Zugege­ben, das ist Schnee von vorgestern, und weitaus interessanter sind die Einsprengsel in Nergers Schilderun­gen, wenn aufblitzt, wie es zuging bei Schuberts daheim. Allsonntäglich te­lefonierte der Alte mit dem Sohn. Und zwar Punkt viertel vor sieben. Ir­gendwann habe er bemerkt, dass Meharit diese Gespräche mithörte. Als er seinen Vater im persönlichen Gespräch deshalb zur Rede stellte, habe der sich „ganz weinerlich“ (Nerger) damit zu rechtfertigen ver­sucht, dass „Püppi doch  über alles Bescheid wissen“ müsse.

Mit „Püppi“ und dem Personal im Hause Schubert stand es offenbar auch nicht zum Besten. „Das Pack steht nur rum und raucht und liest Zeitung“, soll Bruno H. Schubert sich mal seinem Sohn gegenüber geäußert haben. Nerger: „Da wusste ich, woher der Wind wehte. Das waren nicht die Worte meines Vaters.“ Der sei näm­lich dement gewesen.  Angestellte hätten berichtet, er liefe durch seinen weitläufigen Garten und suche sein Badezimmer. Als  ihm ein Bekannter wenige Woche nach der Eheschlie­ßung gratulierte, habe der Vater nicht mal mehr gewusst, wovon überhaupt die Rede gewesen sei.

Erstmals erfahren von einem Ge­sprächsmitschnitt habe er am 21. Juni 2011. Marcel Studer habe ihn ange­rufen und mitgeteilt, dass Peter H. (71), neuer Verlobter der Witwe, ihn aufgesucht,  „mit dem Protokoll des Gesprächs gewedelt“ und mit Erpres­sung gedroht habe.  Erst am 23. No­vember des gleichen Jahres stellte er den Strafantrag gegen Meharit. Er habe zuvor nichts beweisen können und sich nicht übler Nachrede schul­dig machen wollen, so Nerger.

Das war nobel, aber zu spät. Frist verpasst. Amtsrichterin Niebling stellte das Verfahren ein.

Nachtrag: Peter H. sitzt zur Zeit ein, weil er Anleger mit einer angeblich lukrativen Teakholzbaumplantage in Costa Rica betrogen hat. Die Datenträger mit den Gesprächsaufzeichnungen waren im Zuge der Ermittlungen gegen ihn bei einer Hausdurchsuchung gefunden worden.