Vermieter muss auf Kalk hinweisen

HANAU. (dig) Weist ein Vermieter nicht ausdrücklich auf einen hohen Kalkgehalt des Wassers hin, kann er den Mieter nicht für dadurch entstandene Schäden oder Verschmutzungen an Armaturen und Badezimmereinrichtungen haftbar machen. So urteilte jetzt das Hanauer Amtsgericht (Az. 37 C 196/10).

Der Fall ereignete sich in Mittelbuchen. Nachdem sein Mieter, ein Manager bei einem internationalen Konzern, ausgezogen war, rechnete Hausbesitzer Joachim T. die Kaution von 1800 Euro mit Instandsetzungsarbeiten auf. Unter anderem monierte der Bau-Ingenieur ein Brandloch im teuren Parkettboden, Beschädigungen der Marmortreppe im Eingang sowie einen unsachgemäß abgeklemmten Herdanschluss in der Küche. Allein aber für die Reinigung des Bades stellte er 701,78 Euro in Rechnung. Die Kalkrückstände hätten nicht anders als mit säurehaltigen Reinigungsmitteln aufwendig entfernt werden können, gab er an. Vier Monate lang sei die Wohnung deshalb – trotz mehrerer Interessenten – nicht vermietbar gewesen.

Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme kam das Amtsgericht zu dem Schluss, dass eine Vielzahl der aufgeführten Mängel tatsächlich zu Lasten des ehemaligen Mieters gingen, nicht aber die Schäden im Badezimmer: „Insbesondere Verkalkungen an den Innen- und Außenflächen stellen grundsätzlich nutzungsbedingt auftretende Beeinträchtigungen dar, die dem Mieter nicht zuzurechnen sind“, heißt es in dem Urteil. Das sei „ausnahmsweise nur dann anders, wenn etwa aufgrund eines hohen Kalkgehaltes überobligatorische Reinigungen erforderlich sind und der Mieter hierauf ausdrücklich hingewiesen wird“.

Joachim T. wurde verurteilt, von der Kaution 555,97 Euro zurückzuzahlen. Den mehrmonatigen Mietausfall konnte er indes nicht geltend machen: Schließlich seien in dieser Zeit ja auch Schönheitsreparaturen vorgenommen worden, so der Richter.

Übrigens enthält das Trinkwasser, mit dem Hanau-Mittelbuchen versorgt wird, besonders viel Kalzium und Magnesium; es hat 21 Grad deutscher Härte (°dH) und gilt damit als besonders hart; der Durchschnitt in Hessen liegt bei 16 °dH.