Von Ganoven, Verführten und Zufallsgaunern

Deutsche Gerichtssäle sind voller Geschichten.

    Sie handeln von Schicksalen, von Verfehlungen und Irrtümern. Bisweilen auch von Verzweiflung, von Not und Leid. Manche sind aber auch lustig, kleine Komödien mit viel Witz und Charme.  Auf dieser Seite werden sie erzählt.

    2012 wurden von deutschen Gerichten 773.901 Angeklagte verurteilt. Vermögensdelikte wie Diebstahl und Unterschlagung, aber auch Körperverletzung führen die Hitliste der Straftaten an.

    Aber nur selten geht es um spektakuläre Fälle wie Millionenbetrügereien, Schutzgelderpressung  im großen Stil oder Korruption. Prominente Namen und schwere Taten beherrschen zwar die Schlagzeilen, bilden aber kaum die Wirklichkeit ab. Überwiegend sind es nämlich kleine Gauner, Zufallsganoven, Verführte, denen der Prozess gemacht wird. Da ist ...

● die alleinerziehende Mutter, die im Internet einkauft, obwohl sie schon zur Monatsmitte nichts mehr auf dem Konto hat,

● der Arbeitslose, der dem Sozialamt seinen Aushilfsjob verschweigt und deshalb ein paar Euro zu viel Stütze kassiert,

● der Alkoholkranke, der im Supermarkt eine Flasche billigen Rotwein klaut … Nicht nur Gelegenheit macht Diebe – Not tut es auch.

    Und so sind Strafprozesse stets auch ein Zustandsbericht unserer Zeit. Wenn immer mehr Straftäter auf die Frage des Richters nach ihren Einkommensverhältnissen mit „Hartz IV“ antworten, stellt sich die Frage nach der Schuld auf einmal ganz neu.

    Übrigens: Knapp 23 Prozent der verurteilten Täter im Jahr 2012 waren Ausländer. Bezogen auf den Bevölkerungsanteil  in der Bundesrepublik von 8,25 Prozent bedeutet das, sie sind dreieinhalb Mal so häufig straffällig geworden wie Deutsche. Aber warum? Und welche Lehre ziehen wir daraus? Wie gesagt: Geschichten aus dem Gerichtssaal sind meist ernst und stets auch ein bisschen Politik …