Sex and the City

Im falschen Film? Sieht so aus, als tauge die Geschichte von der eiskalten Frau, die vor einem Date noch mal schnell einen Mord begeht, bestenfalls für einen müden TV-„Tatort“, nicht aber für eine Verurteilung. ©Graber

HANAU. Gibt es eigentlich noch einen ver­nünftigen Zweifel daran, dass Banu D. die Todesschüsse in der Gallienstraße nicht abgegeben hat? Vor der 1. Großen Strafkammer schilderte jetzt Cengiz G. den Abend des 7. September und die Nacht auf den 8., jene Stunden also, in denen Jürgen Volke ermordet wurde. Danach besuchte er mit Banu D. zuerst das Restaurant Harput in der Wiesba­dener Innenstadt, anschließend die Zurna Bar im Stadtteil Mainz-Kastel. Seine Angaben decken sich mi­nutiös mit in dieser Zeit geführten Tele­fonge­sprächen, versendeten WhatsApp-Nach­richten und im Nachhinein ermit­telten Handygeodaten. 

Metapher des Todes

Der Killer und das junge Ding oder Ein ungleiches Paar auf dem Weg zur „Party“. Am Ende geht es nicht gut aus für einen der beiden in Luc Bessons furiosem Thriller-Drama „Léon – Der Profi“. ©Gaumont/Les Films Du Dauphin

HANAU. Die Kammer gibt einen rechtlichen Hinweis: Für den Angeklagten im Volkemordprozess könnte auch Mittäterschaft infrage kommen und die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Das ist noch nicht die Entscheidung. Aber es gibt die Richtung vor: Mit einem Freispruch Marke In dubio pro reo dürfte Lutz H. nicht davon kommen.

Schwarzes Loch um Mitternacht

Zeugen auf dem Dach: Die Sendemasten am Kurt-Blaum-Platz in unmittelbarer Nähe zur Gallienstraße erfassten das Mobiltelefon der Angeklagten. ©Graber

HANAU. Handydaten verraten so ziemlich alles über einen Menschen – Kommunikation, Aufenthaltsorte, Internetbesuche. Dazu muss das mobile Endgerät aber eingeschaltet sein. War es aber nicht. Und deshalb lässt sich nicht feststellen, wo sich Banu D. zur Tatzeit aufhielt. Dass sie Wochen zuvor in Hanau unterwegs war, womöglich auch in der Gallienstraße vorbeischaute, allerdings schon. Aber was beweist das? 

Unterwegs im Auftrag des Herrn

Der Mensch träumt und Gott lenkt: Sylvia D. kommunizierte angeblich mit ganz oben. ©ZDF, „37 Grad“, Screenshot

HANAU.  (dig) Vor 29 Jahren starb Jan in Hanau-Kesselstadt. Jan wurde nur vier Jahre alt. „Tod durch Ersticken“ hatte der Notarzt auf den Toten­schein ge­schrieben, „infolge Erbre­chen von zu­vor mittags gegessenem Haferschleim“. Der Fall erhielt ein Ak­tenzeichen: 1 UJs 26990/88. Mehr geschah zunächst nicht. Anfang 2015 begann die Hanauer Staatsanwalt­schaft,  in der Sache noch einmal zu ermitteln – mit nunmehr ei­nem sensa­tionellen Ergebnis: „Wir ha­ben gegen eine 70 Jahre alte Frau An­klage wegen Mor­des beim Schwurge­richt erhoben“, sagt Oberstaatsanwalt Dominik Mies.

Ein Prozess mit Gschmäckle

Auf der Alm, da gibt's koa Sünd'. Na, a bisserl getratscht ham wern’s scho, über den Herrn Doktor und die hübsche Frau an seiner Seite. Abb.: Metro Verlag/Österreichische Nationalbibliothek, aus dem Band „Willkommen in Österreich“

HANAU. Wieder mal eine längere Pause im Volkeprozess. Am 19. September geht’s weiter vor der 1. Großen Strafkammer. Zuletzt sagte Kriminalhaupt­kommissar Carsten D. vom Bundeskriminalamt aus. Er berichtete als Zeuge über den Einsatz des Verdeckten Ermittlers. Es sieht nicht gut aus für Lutz H., der immerhin über die Mordwaffe verfügte, aber nicht selbst geschossen haben will. Aber wer dann?

Heißes Eisen unterm Holz

„Der Wald legt das Lauschen nahe“ (Hermann Hesse), bisweilen aber auch das Suchen: An einem Holzstapel deponierte Lutz H. für Errol die Tatwaffe. Foto: Graber

HANAU. Staatsanwalt Pleuser punktet: VE Errol berichtet über seinen Waffendeal, über konspirative Treffen und einen perfiden Plan. Fazit: Zwei Männer spielen Unterwelt, und ganz nebenbei liefert sich Lutz H. selbst ans Messer. Banu D. dürfte nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen aus dem Schneider sein. Aber der Prozess ist mit dem 28. Verhandlungstag ja noch lange nicht am Ende. 

Wie geschält, so gehehlt

„Lumpen, Knochen, Alteisen …“ Dereinst kam der Wertstoffsammler, wie ihn Ludwig Richter auf dieser Federzeichnung darstellt, mit klingendem Spiel ins Dorf, und manch einer war froh, das olle Zeug los zu werden. Heute geht es in der Recyclingbranche um Buntmetall und viel Geld

HANAU. Mit seinem kuriosen Geständnis – Diebstahl ja, aber woanders – brachte Nayden M. die 2. Große Strafkammer in arge Bedrängnis: Immerhin war die vorliegende Anklage damit eigentlich keinen Schuss Pulver mehr wert, eine neue hätte her gemusst, ein Freispruch in der vorliegenden Sache wäre erst mal fällig gewesen. Und dann stand da noch die Sache mit dem möglichen „Strafklageverbrauch“ im Raum. Aber das Gericht löste den Fall auf elegante Weise – mit Nichtglauben des Geständnisses. Pfiffig!

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