Das Gericht zieht sich zur Erholung zurück

HANAU. Pause im Volkeprozess. Noch bis Monatsende. Das Gericht macht Urlaub. Die Regeln für Unter­brechun­gen in Mammutver­fahren sind eine Wissen­schaft für sich. Da müssen sich selbst Kammer­vorsit­zende bisweilen in den Paragra­phen 229 StPO vertiefen. Aber darf sich die Justiz in die schönsten Wo­chen des Jahres verabschieden, wäh­rend zwei Angeklagte in U-Haft sit­zen? Ja, darf sie. Immerhin besteht nach wie vor dringender Tatverdacht. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach zwei­und­zwanzig Pro­zesstagen.

Kein Raub beim Olli daheim

Ein Raub zeichnet sich nicht nur durch Einsatz gewaltsamer Mittel aus, wie er hier Harold Lloyd in „An Eastern Westerner“ (1920, ©Pathé) widerfährt, sondern auch durch den „finalen Zusammenhang“. Und der war in Ollis Fall halt nicht da.

HANAU. Nicht gut gelaufen für Olli. Gar nicht gut. Erst haben sie ihn zuhause überfallen und erheblich verletzt, obwohl er nur nett sein wollte zu Leyla und ihren Bekannten. Und jetzt steht er auch noch als Drogenhändler da, der im Prozess wiederholt als „Angeklagter“ bezeichnet wird. Obwohl er doch der Geschädigte ist. Und dann kommt raus: Es war gar kein Raub. 

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Besser: Konsequenzen ziehen

HANAU. Sieht so aus, als sei das Verhältnis zwischen Polizei und Landgerichtsspitze ein wenig getrübt. Es geht um die deutliche Kritik von Präsidentin Susanne Wetzel an der Ermittlungsarbeit im Fall des angeblich unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings Dawit W., der seinen Freund in Schlüchtern massakrierte (hier). In ihrer Urteilsbegründung war von der Jugendkammervorsitzenden unter anderem moniert worden, die Beamten hätten ein Altersbestimmungsgutachten einzuholen versäumt. Dann wäre nämlich rechtzeitig herausgekommen, dass W. bereits mindestens sechsundzwanzig ist.

Voll schuldfähig trotz Sucht?

Wie die Droge ihr Opfer beherrscht: 1965 veröffentlichte das Life Magazine die Story „The World of Needle Park“, eine Geschichte zweier Menschen an der Nadel. ©Bill Eppridge, Life Magazine

HANAU. Für den Automarder und Seriendieb Dietrich D. könnte es eine weitere letzte Chance geben. Vielleicht wird er ja noch einmal in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Die Staatsanwältin ist dafür. Dann müsste er von seiner Strafe vermutlich nur einen kleinen Teil absitzen. Obwohl es schon zweimal nicht geklappt hat mit dem Entzug.

Stoff aus der „Pension Mama“

HANAU. Vermögensabschöpfung heißt die neue Waffe der Justiz im Kampf gegen Drogenhändler (und nicht nur gegen die). Was dies bedeutet, mussten nun zwei junge Männer erfahren, die mit dem An- und Verkauf von Marihuana reich zu werden gedachten. Die Strafen der Jugendkammer fielen noch milde aus – aber das dicke Ende kam nach.

Good Cops, Bad Cops

Hielt seine Mimik während des Prozesses eingefroren, schlägt nun aber artig die Hände vors Gesicht: Dawit W. ist gar kein Minderjähriger mehr. Donnerwetter, wer hätte das gedacht! Abb.: Graber

HANAU. Dawit W. kriegt neuneinhalb Jahre, zeigt keine Reue, geht aber in die Revision. Die Richterin macht die Polizei fertig, die Staatsanwaltschaft ist verwundert, das Opfer bleibt verschwunden, ein Gutachter redet dummes Zeug, und am Ende jenes kuriosen Verfahrens um eine bizarre Tat bleibt folgendes Resümee: In der Flüchtlingsfrage wird geheuchelt und gelogen, was das Zeug hält, und viele verdienen prächtig daran, auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich. 

Romantik mit scharfen Schüssen

Da lässt sich nicht genug warnen: Erotische Praktiken, bei denen Schusswaffen benutzt werden, können unangenehme Folgen haben. Abb.: Pulp-Magazin, USA, vermutlich 50er Jahre

HANAU. Wie im wirklichen Leben geht es auch im Volkeprozess hin und wieder um zwischenmenschliche Interaktion. Inzwischen drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass so manches, was Eingang in die Ermittlungsakten fand, eher Produkte der Phantasie sind. Und wenn Sex und Schusswaffen zusammen kommen, da gibt's kein Halten mehr.

Holiday am Wörthersee

„Wo das Leben Freude macht / Steht  ein Schloss im Sonnenschein / Wellen aus Türkis /  Das ist das Paradies“, sang Roy Black. Recht hatte er. Relais & Châteaux Hotel Seefels in Pörtschach ©RELAX Guide & Magazin

HANAU. Um Lutz H. des Mordes an seinem Schwager zu überführen, scheute die Polizei weder Kosten noch Mühen. So spendierte der Verdeckte Ermittler Errol dessen Lebensgefährtin Banu D. einen Urlaub im ersten Haus am Wörtersee – auf Steuerzahlers Kosten, versteht sich. Ein Wellnessaufenthalt all inclusive, und zwar mit Begleitung. Na, wer reiste da wohl mit? Richtig geraten: die Verdeckte Ermittlerin Ayse. Man gönnt sich ja sonst nichts!

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