Der Mann mit der Nadel

Beutezüge über die Parkplätze der Stadt: Vor Herrn D. war kein Auto sicher. © Ed Allen, Coverentwurf  für Penguin Books

HANAU.  Dietrich D. bestritt seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Straftaten, vorwiegend Diebstählen aus Kraftfahrzeugen. Er benutzte dazu unter anderem eine sogenannte Anreißnadel, das ist ein Werkzeug mit gehärteter Spitze, gut geeignet, um Seitenscheiben schnell und lautlos zu zertrümmern. Dietrich D. ging planvoll zu Werke. Er gibt an, die Beute umgehend verscherbelt zu haben, um sich Drogen kaufen zu können. Offenbar hängt er auch an der Nadel.

Geschichten vom „umgelegten“ Schwager

Näschen für Polizeispitzel: Banu D., hier mit ihren Verteidigern Fuchs und Küster, hegte zumindest kurzfristig mal einen Verdacht gegen Ayse. Foto: Graber

HANAU. Das hat die Kammer nun davon: Im Volkeprozess muss sie sich mit Banalitäten herumschlagen, die sich, fett gedruckt oder kursiv, in den Protokollen der Spitzel VE1 und VE3 finden. Mühsam schleppt sich das Verfahren dahin, ohne dass es bisher auch nur die Spur eines Beweises für die Schuld der Angeklagten gegeben hätte. 

Saufen, kiffen, abkassieren

Feine Adresse für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, die es anderswo nicht so toll fanden: Schloß Hausen. Foto: Graber

HANAU/SCHLÜCHTERN. Dawit W. aus Eritrea hat seinen Freund Mus­tafa auf besti­alische Weise massakriert. Er stach ihm in den Hals, schnitt ihm die Augenlider ab und Stücke aus den Ohrmu­scheln. Angeblich soll es um 50 Euro gegangen sein. Im Prozess schweigt er, obwohl es wahrlich besser wäre für ihn, sich zur Sache zu äußern. Das Verfahren gewährt aber vor allem Einblick in die wirkliche Flüchtlingswelt, jenseits aller Gutmenschenromantik.

Mob lässt Prozess platzen

Vorbild El Patrón: Escobar nach seiner ersten Festnahme. Er regelte das Verfahren auf seine Weise: Nachdem zwei Belastungszeugen plötzlich „verstorben“ waren, wurde der Fall eingestellt. Foto: Polizei Medellin

HANAU. Ein Vorfall, der sich kürzlich vor dem Hanauer Jugendschöffenge­richt ereignete, beschäftigt Staatsan­waltschaft und Polizei. Offenbar ist es einer Gruppe Jugendlicher gelungen, durch rüpelhaftes Benehmen und ag­gressives Auftreten während der Ver­handlung einen Prozess platzen zu lassen. Es besteht der Verdacht, dass Zeugen bedroht und Schöffen im Ge­richtssaal fotografiert wurden. 

Messer im Kopf

HANAU. Am 17. November 2016 mittags sticht der rauschgiftabhängige Martik S. einem mutmaßlichen Drogenhändler auf einer Kinzigbrücke ein Klappmesser in den Kopf und flüchtet. Das Motiv ist rätselhaft. Er gibt an, aus Zorn gehandelt zu haben, weil … der Dealer einem Mädchen, das sich in der Nähe aufhielt, angeblich Drogen geben wollte, er es zu missbrauchen versucht habe, alles nur ein Irrtum war. Nun geht es für Martik S. um die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Hinterm Vorhang wird gewienert

„Die Wirklichkeit ist eine Sense für Ideale“: Helmut Qualtinger (1928-1986), österreichischer Kabarettist und Schauspieler

HANAU. So langsam nimmt dieser Prozess leicht possenhafte Züge an. Ayse (VE1) berichtet aus dem Familienleben der Zielpersonen – über Zärtlichkeiten, verräucherte Stuben, kleine Schwindeleien und den „Wildererball“, auf dem nichts, aber auch gar nichts passierte. (Nicht mal tanzen wollte der Kerl.) Wenigstens ihr Dialekt ist hörenswert.

Die Leiden des jungen W.

HANAU. Keine Tat ohne Motiv. Aber welches hatte Dawit W., der seinen Freund Mustafa auf furchtbare Weise malträtierte, so dass der sein Augenlicht verlor? Es gibt da einen Ansatz. Richterin Wetzel bringt ihn ins Gespräch: eine gleichgeschlechtliche Affäre. Und sonst? Nun, das Bild von Dawit W. als Vorzeigeflüchtling hat ein paar arge Flecken bekommen. 

Gemetzel im Bergwinkel

Abgetaucht hinterm Aktendeckel: Dawit W. mit seinem Verteidiger Ulrich Will. Foto: Dieter Graber

HANAU. Dawit D. aus Eritrea massakriert am 7. Oktober 2016 seinen Freund Mustafa auf bestialische Weise. Er sticht ihm in den Hals, schneidet ihm die Augenlider ab, beißt ihm Stücke aus den Ohrmuscheln. Ein Streit unter Flüchtlingen, der eskalierte? Die Tat trägt rituelle Züge, es gibt zunächst kein plausibles Motiv. Und im Prozess schweigt der Angeklagte. 

Im Bett mit Ayse

Verdeckter Ermittler im Einsatz. Hier mit Dame und 53er Dom Pérignon, der, Genießer wissen das, nie eine Temperatur von über acht Grad haben sollte. Die Dame nach Möglichkeit aber schon. ©United Artists

HANAU.  Das Leben eines Verdeckten Ermittlers ist alles andere als langweilig.  Wir kennen das ja aus dem Kino. James Bond & Co.: Reisen auf Staatskosten, luxuriöse Hotels, teure Restaurants, Champagner, schöne Frauen. Und denen kommt der Undercover Agent schon mal näher, als es die Dienstordnung eigentlich vorsieht. So ist es auch dem VE Errol auf der Jagd nach der Mordwaffe im Fall Volke passiert. Wenn’s halt dem Fahndungserfolg dient …

Seiten