Was bleibt, ist der Glaube

Aussage gegen Aussage. Also lügt einer. Das Mädchen ist es nicht, sagt die Psychologin. Foto: Kinderpuppe ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Es sieht nicht gut aus für den Angeklagten. Richterin Susanne Wetzel lässt anklingen, dass man die Aussage der jungen Zeugin, von ihrem Stiefvater missbraucht worden zu sein, für wahr hält. Schließlich wurde die Glaubwürdigkeit des Mädchens nun auch von einer Gutachterin bestätigt. Das heißt, Herr G. wird wegen einer Sexualstraftat verurteilt, die begangen zu haben er aber vehement leugnet. Die Zuschauer ficht das nicht an: Sie stehen weiter zu ihm. Sie glauben an seine Unschuld. 

Therapeut und Tyrann

Opfer oder Luder? Das entscheidende Wort dürfte in diesem Fall die Gutachterin haben. Kinderpuppe aus Gips ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Frau B. sagt aus im Vergewaltigungsprozess vor dem Hanauer Landgericht. Die ehemalige Mitarbeiterin des Angeklagten zeichnet das Bild eines Mannes, der tyrannische Züge mit einem Beschützerinstinkt verbindet. Aber von Übergriffigkeit habe sie nichts bemerkt. Dafür ergossen sich den lieben langen Tag über islamische Gebete aus den Lautsprechern der Praxis. 

Viel Geld für eine alte Knarre

Schießeisen von anno Tobak: Die Pistole wurde von dem amerikanischen Büchsenmacher John Moses Browning zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts für die belgische Fabrique Nationale d’Armes de Guerre (FN) entwickelt. Sie kann mit bis zu neun Patronen geladen werden.

HANAU.  Der Aussage des verdeckten BKA-Ermittlers wird im Volkeprozess die größte Bedeutung zukommen, gibt es doch bisher zwar Mutmaßungen, aber keinen Beweis für die Schuld der Angeklagten. Insbesondere im Fall der Banu D. hat sich bisher nichts ergeben, was auf eine Tatbeteiligung hindeuten könnte. Der Einsatz von „Errol“ (Tarnname) wirft aber auch eine Menge Fragen auf. Zum Beispiel, warum für die Tatwaffe die enorme Summe von 30.000 Euro geboten worden war. Und warum Lutz H., sollte er der Täter gewesen sein, sie nicht rechtzeitig beseitigt hatte.

Was gab’s noch am 13. Verhandlungstag? Die Beziehung der Angeklagten ist endgültig Geschichte. Das geht aus einem Brief von Banu D. hervor, den das Gericht verlas. Ein bemerkenswertes Schreiben übrigens.

Übern Tisch gezogen

They knew how to make people talk oder: Die Kunst der Vernehmung. Hollywoodfilm „Knock on Any Door” 1949 ©Columbia Pictures

HANAU. Lutz H. widerspricht der Staatsanwältin. Er habe mitnichten auf einen Rechtsbeistand verzichtet, damals, als sie ihn zum ersten Mal wegen der Todesschüsse auf seinen Schwager befragten. Seine Version der Vernehmung bei der Polizei am Tag nach dem Mord an Jürgen Volke schildert er jetzt in einem Schreiben an die Kammer. Klingt, als hätten sie ihn damals über den Tisch gezogen. Aber was ändert das am Sachverhalt?

Kurz vorm Kippen

Auch Josef K. hatte sich für unschuldig erklärt, und am Ende kam es doch knüppeldick: „Mann an Tisch“, Illustration Franz Kafkas zu seinem Roman „Der Prozess“

HANAU. Von Anfang an stand für die Ermittler Lutz H. als Hauptverdächtiger im Mordfall Volke fest. Die engagierte Staatsanwältin Bettina Fauth vernahm ihn gemeinsam mit zwei Kommissaren wenige Stunden nach der Tat. Sie erinnert sich daran, und zwar sehr gut. Natürlich sei Lutz H. korrekt belehrt worden, betont sie. Aber hat er wirklich von sich aus auf einen Rechtsbeistand verzichtet?

Heilende Hände, schlimmer Finger?

Können Kinderaugen lügen? Und Tagebücher? Puerile Schaufensterpuppe aus Gips mit Gebrauchs-spuren, 20-er Jahre, farbig gefasst und bemalt. ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Seit einem halben Jahr sitzt Herr G. in Untersuchungshaft. Er soll ein zwölfjähriges Mädchen, die Tochter seiner Lebensgefährtin, vergewaltigt haben. Die Anklage basiert allein auf den Aussagen des angeblichen Opfers. Herr G. beteuert seine Unschuld. Es ist ein Prozess, in dem es nur Verlierer geben kann.

Pfusch am Recht

HANAU/KARLSRUHE. Da lief der scheidende Gottvater der Rechtsprechung aber noch mal zu ganz großer Form auf. Unter Vorsitz von Thomas Fischer verriss der 2. BGH-Senat das Klockurteil vom August 2015 und gab es den Hanauer Richtern nun schriftlich: Lauter Rechtsfehler wären ihnen unterlaufen. Sonst hätte das Ergebnis ihrer Beweisaufnahme anders ausgesehen. Zum Unterschreiben ist Fischer übrigens nicht mehr gekommen. Krankheitshalber, wie es heißt.

Aufgeräumter Advokat

„Gar gut bei allem ist Ordnung“, meinte Homer. Na ja, zumindest wenn man einen Prozess gewinnen will. Hier ein Anwaltsschreiben der besonderen Art.

HANAU. Wer Ordnung halte, sei bloß zu faul zum Suchen, lautet ein Sprichwort. Suchende gibt es auch in der Welt des Rechts, und manchmal bringen sie in ihren Schriftsätzen entzückende Stilblüten zustande, die einem dann klar machen, warum sie das Prinzip der Ordnung nicht verstanden haben. Wie im Falle jenes Frankfurter Advokaten (zugelassen bei AG, LG und OLG!), der für seinen Mandanten einen Zivilprozess vor dem Hanauer Amtsgericht führte. Dabei ging so ziemlich alles daneben. Er verwendete in seinem Schriftsatz ein falsches Geschäftszeichen und versäumte die Erwiderungsfrist.

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