Besser: Konsequenzen ziehen

HANAU. Sieht so aus, als sei das Verhältnis zwischen Polizei und Landgerichtsspitze ein wenig getrübt. Es geht um die deutliche Kritik von Präsidentin Susanne Wetzel an der Ermittlungsarbeit im Fall des angeblich unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings Dawit W., der seinen Freund in Schlüchtern massakrierte (hier). In ihrer Urteilsbegründung war von der Jugendkammervorsitzenden unter anderem moniert worden, die Beamten hätten ein Altersbestimmungsgutachten einzuholen versäumt. Dann wäre nämlich rechtzeitig herausgekommen, dass W. bereits mindestens sechsundzwanzig ist.

Voll schuldfähig trotz Sucht?

Wie die Droge ihr Opfer beherrscht: 1965 veröffentlichte das Life Magazine die Story „The World of Needle Park“, eine Geschichte zweier Menschen an der Nadel. ©Bill Eppridge, Life Magazine

HANAU. Für den Automarder und Seriendieb Dietrich D. könnte es eine weitere letzte Chance geben. Vielleicht wird er ja noch einmal in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Die Staatsanwältin ist dafür. Dann müsste er von seiner Strafe vermutlich nur einen kleinen Teil absitzen. Obwohl es schon zweimal nicht geklappt hat mit dem Entzug.

Stoff aus der „Pension Mama“

HANAU. Vermögensabschöpfung heißt die neue Waffe der Justiz im Kampf gegen Drogenhändler (und nicht nur gegen die). Was dies bedeutet, mussten nun zwei junge Männer erfahren, die mit dem An- und Verkauf von Marihuana reich zu werden gedachten. Die Strafen der Jugendkammer fielen noch milde aus – aber das dicke Ende kam nach.

Good Cops, Bad Cops

Hielt seine Mimik während des Prozesses eingefroren, schlägt nun aber artig die Hände vors Gesicht: Dawit W. ist gar kein Minderjähriger mehr. Donnerwetter, wer hätte das gedacht! Abb.: Graber

HANAU. Dawit W. kriegt neuneinhalb Jahre, zeigt keine Reue, geht aber in die Revision. Die Richterin macht die Polizei fertig, die Staatsanwaltschaft ist verwundert, das Opfer bleibt verschwunden, ein Gutachter redet dummes Zeug, und am Ende jenes kuriosen Verfahrens um eine bizarre Tat bleibt folgendes Resümee: In der Flüchtlingsfrage wird geheuchelt und gelogen, was das Zeug hält, und viele verdienen prächtig daran, auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich. 

Romantik mit scharfen Schüssen

Da lässt sich nicht genug warnen: Erotische Praktiken, bei denen Schusswaffen benutzt werden, können unangenehme Folgen haben. Abb.: Pulp-Magazin, USA, vermutlich 50er Jahre

HANAU. Wie im wirklichen Leben geht es auch im Volkeprozess hin und wieder um zwischenmenschliche Interaktion. Inzwischen drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass so manches, was Eingang in die Ermittlungsakten fand, eher Produkte der Phantasie sind. Und wenn Sex und Schusswaffen zusammen kommen, da gibt's kein Halten mehr.

Holiday am Wörthersee

„Wo das Leben Freude macht / Steht  ein Schloss im Sonnenschein / Wellen aus Türkis /  Das ist das Paradies“, sang Roy Black. Recht hatte er. Relais & Châteaux Hotel Seefels in Pörtschach ©RELAX Guide & Magazin

HANAU. Um Lutz H. des Mordes an seinem Schwager zu überführen, scheute die Polizei weder Kosten noch Mühen. So spendierte der Verdeckte Ermittler Errol dessen Lebensgefährtin Banu D. einen Urlaub im ersten Haus am Wörtersee – auf Steuerzahlers Kosten, versteht sich. Ein Wellnessaufenthalt all inclusive, und zwar mit Begleitung. Na, wer reiste da wohl mit? Richtig geraten: die Verdeckte Ermittlerin Ayse. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Rechtsprechung am Limit

Total überarbeitet oder nur mal ein Durchhänger? Eine schlappe Justiz gefährdet jedenfalls den Rechtsstaat. ©Dieter Graber

HANAU. Die Personalsituation an hessischen Gerichten gilt als prekär. Durch Sparmaßnahmen in den zurückliegenden Jahren, durch Stellenabbau und Schließungen von Amtsgerichten sei die Justiz an ihre Belastungsgrenze gelangt, sagen Kritiker. Tatsache ist: Viele engagierte junge Richter, einige noch auf Probe, tun Dienst am Hanauer  Amtsgericht – manche von früh bis spät abends, um den Arbeitsanfall überhaupt bewältigen zu können. Ist vor diesem Hintergrund die Geschichte des Herrn R. ein bedauerlicher Einzelfall oder symptomatisch für die Lage unserer Justiz?

Two to the chest

Hassausbruch beim Anblick des Opfers (rechts): Moderator Rudi Cerne präsentierte den Mordfall Jürgen Volke in „Aktenzeichen XY... ungelöst". ©ZDF

HANAU. An markigen Sprüchen war Lutz H., angeklagt wegen Mordes an seinem Schwager Jürgen Volke, nie verlegen. „Zwei in die Brust, eine in den Kopf“ lautet einer. Ist aber keineswegs eine Rechenaufgabe für Berufskiller, sondern eine (tödliche) Verteidigungstaktik amerikanischer Polizisten für den Notfall, bekannt unter der Bezeichnung „Mozambique Drill“. Im Gespräch mit den Verdeckten Ermittlern hatte Lutz H. seinerzeit seine Version des Tathergangs zum Besten gegeben. 

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