Gerichtsnovela mit bissigem Anwalt

Es gibt Leute, denen man möglichst nicht begegnen möchte, weder am helllichten Tag auf einem Spielplatz noch nachts an der Tanke. Bisweilen haben sie ein Messer dabei. Abb.: Szene aus irgendeinem „Halloween“-Film von John Carpenter

HANAU. Ja, es war ein starkes, ein emotionales Plädoyer, das Verteidiger Peter Müller im Prozess gegen Soufiane J. hielt. Es war der letzte Versuch, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant ein Sklave der Drogen war, süchtig nach Kokain und Sportwetten. Es war so gut, dass der Angeklagte schließlich in Tränen ausbrach. Es war besser als Fernsehen – auf jeden Fall so ähnlich.

Fenster in die Subkultur

Delinquenz in Nietenhosen: Lernen Heranwachsende nicht, die Regeln ernst zu nehmen, wird aus Übermut kriminelles Tun. Jugendliche Gesetzesbrecher auf einem New Yorker Polizeirevier, 1954. ©AP

HANAU. Hinter dem Verfahren gegen die Panzerknacker von Erlensee steckt offenbar vielfältiges Versagen: Wenn die Verfehlungen jugendlicher Migranten nicht unmittelbar und ernsthaft geahndet werden, wenn Justiz, Sozialbehörden und Politik nicht oder mit verantwortungsloser Nachsicht reagieren, sind Karrieren wie die von Ali, Taher, Hasan und Oktay nur folgerichtig.

Böser Bube auf der Flucht

HANAU. Gabriel ist weg. Kürzlich, als sie ihn morgens aus der Jugendhaftanstalt Rockenberg zu seiner Verhandlung nach Hanau bringen wollten, ist er ausgebüxt. Vor dem Justizgebäude in der Nußallee. Weil sie ihn nicht gefesselt hatten, wie es sich gehört bei einem Burschen, der die Polizei und das Jugendamt und das Gericht beschäftigt wie kaum ein anderer.

Vier Schüsse, ein Loch

Hanaus derzeit bekannteste Straße. Sie hat übrigens nichts mit Asterix und Obelix zu tun, sondern mit  Jean-Louis Gallien, dem ersten Lehrer an der Zeichenakademie. ©Graber

HANAU. Gallienstraße 18. Eine Glastür. Hinter ihr starb Jürgen Volke, von drei Kugeln getroffen in der Nacht des 7. September 2013. Ein viertes Geschoss sauste durchs ganze Haus und blieb in der Gartenbegrenzung stecken. Im Glaseinsatz fand sich aber nur ein Einschussloch. Wie ist das möglich? Ein Gutachter hat dafür eine Erklärung parat … Ach ja, es gab auch noch einen Ortstermin. Vor der Tür und drumherum.

Schwindeljournalismus

HANAU. Die Gelnhäuser Neue Zeitung erweist sich einmal mehr als Paradebeispiel für aktuelle Lügenpresse. So berichtet sie zwar über den Prozess gegen die vier jungen Männer, die sich wegen Explosionsverbrechen und Diebstahl vor der Großen Jugendkammer des Hanauer Landgerichts verantworten müssen. Allerdings bekommen die Angeklagten von der GNZ-Redakteurin in vorauseilendem Gehorsam deutsche Vornamen verpasst – Henry, Anton und Timo –, offenbar, um gezielt zu verschleiern, dass es sich um Straftäter mit Migrationshintergrund handelt.

Sprengstoff im Hühnerstall

„Böses Gewerbe bringt bösen Lohn“, wusste schon Schiller. In diesem Fall haben unsere vier Gesellen noch mal Glück gehabt, dass die Polizei in der Nähe war und vielleicht Schlimmeres verhinderte. ©Filmsonor, 1953

HANAU. Netter Versuch eines Verteidigers im Prozess gegen die vier Dösbaddel aus Erlensee: Sie seien, sagt er, bei der Festnahme unrechtmäßig behandelt worden. Die Polizei hätte ihnen die Sicht mit einer Maske, bzw. mit Schlafbrillen genommen, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren. Das sei ein kriegsmäßiges Vorgehen. Er fordert deshalb Strafmilderung. Darauf muss man erst mal kommen.

Flinker Mörder in Größe 38

HANAU. Es fallen vier Schüsse in der Hanauer Gallienstraße. Dann läuft jemand davon. Eine Gestalt mit Kapuze überm Kopf. Es könnte der Mörder gewesen sein. Vieles lässt darauf schließen. Mehrere Anwohner haben ihn gesehen. Ihren Aussagen dürfte im Prozess um den Tod des Unternehmers Jürgen Volke einige Bedeutung zukommen. Allerdings widersprechen sie sich in wichtigen Details.

Große Pläne, kleine Leuchten

Das zeichnet den erfolgreichen Safeknacker aus: Er trägt Maßanzug, bedient sich moderner Technik und gelangt lautlos zum Ziel. ©United Artists

HANAU/ERLENSEE. Das Fleisch war willig, der Geist hingegen schwach. Vier junge Leute aus Erlensee planten die großen Coups: Sie wollten Geld- und Fahrkartenautomaten mit einem Gasgemisch aufsprengen. Wenn es nicht so ernst wäre, man könnte lachen über die Dummköpfe mit Migrationshintergrund.

Böser Onkel im Verdacht

Banu D. auf dem Weg zur Verhandlung. Rechts die Verteidiger Fuchs (vorn) und von Dahlen. ©Graber

HANAU. Sicher ist: Es wird ein Mammutverfahren. Der Prozess um den Mord an dem Hanauer Unternehmer Jürgen Volke vor dreieinhalb Jahren dürfte jedoch nicht einmal mit dem vielleicht im Spätsommer zu erwartenden Urteilsspruch zu Ende sein. Zu schwierig ist die Materie, zu unglücklich gestaltete sich der Start, und ob der Einsatz eines verdeckten Ermittlers, der den Fahndungserfolg schließlich herbeiführte, überhaupt gesetzeskonform war, na ja, da gibt es noch viel Klärungsbedarf. Schlussendlich wird der BGH wieder ran müssen.

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