Bettelüberfall im Kreisverkehr

Der Tatort (Pfeil), ein Kreisel zwischen Hammersbach und Büdingen. Im Bettelgewerbe kommt man ganz schön rum: Herr C., der aus Rumänien stammt, war zuletzt in Berlin gemeldet. Abb.: ©GoogleEarth

HANAU. Die Masche des Ninel C. ist deshalb so verabscheuungswürdig, weil er Schindluder treibt mit unserer Hilfsbereitschaft: Er täuscht Pannen vor und zockt dann gutmütige Autofahrer ab. In zumindest einem Fall könnte er allerdings selbst in dieser Schlechtigkeit noch zu weit gegangen sein. Ninel C. ist angeklagt, weil er eine junge Frau, die ihm kein Geld geben wollte, mit einem Messer bedroht haben soll.

Da kriegste was gelernt!

Bei diesem Herrn wären Drogen sicherlich leicht nachweisbar gewesen. Er segnete 1970 das Zeitliche. Seine Musik ist unsterblich. ©Rockstarwallpapers

HANAU. Im Strafprozess geht es nicht nur um die hohe Kunst der Wahrheitsfindung. Manchmal tauchen die Beteiligten und das werte Publikum auch ein in die wunderbare Welt des Wissens. Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass Japaner die Haarwuchsweltmeister sind und bei Blondinen, ob echten oder falschen, Drogen im Haupthaar schwerer nachzuweisen sind als bei Leuten mit schwarzem Schopf? Tja gehste zur Verhandlung, kriegste was gelernt.

Antithetisch in die neue Runde

Banu D. in ihrer neuen Rolle als Angeklagte, umgeben von den Verteidigern Fuchs, Gärtner, Küster (v. l.) ©Dieter Graber

HANAU. Der Neuauftakt im Volkeprozess war nach der Anklageverlesung schon wieder zu Ende: Die Verteidiger von Banu D. monierten, das ihnen nicht alle Ermittlungsakten vorlägen. Sie bräuchten mehr Zeit zur Einarbeitung. Die sollen sie haben, entschied die 1. große Strafkammer: In vierzehn Tagen erst wird’s weitergehen in dem Verfahren um den Mord an dem Hanauer Unternehmer Jürgen Volke, der am 7. September 2013 in seinem Haus erschossen worden war.

Orgellehrer kauft sich frei

Der Musikus und das Mädchen – Ende der Vorstellung. Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack. ©Ghislain Cloquet, Szene aus „Mickey One“, 1964

HANAU. Gerechtigkeit ist manchmal schwer zu fassen. Da hat so einer mit jeder Menge entsprechender Vorstrafen ein junges Mädchen vergewaltigt und bekommt trotzdem Bewährung. Ist das noch hinnehmbar? Wägt man Für und Wider ab, und vor allem: Versetzt man sich in die Lage des Opfers, kann die Antwort nur lauten: Ja! Über das Ende eines langen Verfahrens.

BGH drückt Reset-Taste

Müssen noch mal ran: Klaus-Dieter B. (links) und sein Sohn Claus Pierre, dazwischen die Verteidiger Scherzberg und Kühne-Geiling. Foto ©Graber

KARLSRUHE/HANAU. Also doch! Der Fall Klock muss neu aufgerollt werden, entschied der Bundesgerichtshof. Er gab dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft statt und hob die Freisprüche des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 auf. Das Urteil weise Lücken, Ungenauigkeiten und missverständliche Formulierungen auf, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Fischer. Die Angeklagten bleiben jedoch zumindest vorerst auf freiem Fuß. Der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze erklärte unterdessen, einstweilen keinen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls stellen zu wollen.

Die Mutter des Drogenhändlers erzählt

Liebesgrüße aus Izmir: Zeitungsbericht über den dreistesten Drogenhändler Deutschlands. ©Graber

HANAU. Am 6. Februar soll Mustafa Horst M. vor der 2. Großen Strafkammer endlich der Prozess wegen Drogenhandels mit Waffen gemacht werden. Zur ersten Verhandlung ist er nicht erschienen. Er ließ sich urlaubshalber entschuldigen. Es folgte der lustigste Haftbefehl Deutschlands (mit Vorlaufzeit). Dass er nunmehr doch noch Platz nehmen wird auf der Anklagebank ist aber unwahrscheinlich. Hier sagt seine Mutter, warum.

BGH geht in die Verlängerung

HANAU/KARLSRUHE. Nun doch erst nächste Woche wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofs über eine Revision im Fall Klock verkündet. Zwar befasste sich der 2. Strafsenat bereits in öffentlicher Verhandlung mit den Anträgen von Staatsanwaltschaft, Nebenklägern und der Verteidigung. Über eine Stunde lang trugen die Parteien ihre jeweilige Sicht auf das bemerkenswerte Urteil des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 vor (Freisprüche wegen Notwehr, bzw. Nothilfe). Am Abend hieß es dann, entgegen einer ersten Ankündigung für den Vormittag, der Termin sei auf den 1. Februar verschoben worden. Prozessbeobachter schlussfolgern daraus, dass sich der 2. Senat noch genauer in den Fall einarbeiten will. Dazu auch unser Kommentar.

Haarige Sache

HANAU. Die Geschichte von Soufiane J., dem miesen kleinen Räuber, der Schüler auf einem Spielplatz überfiel und sich von einer couragierten Tankstellenkassiererin in die Flucht schlagen ließ, zeigt einmal mehr den Zustand unserer Justiz: Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, was der Bundesgerichtshof dem Gericht in der Revision unter die Nase reiben könnte, wird begutachtet, was das Zeug hält. Nun geht es sogar um die Frage, wie schnell die Haare des Angeklagten wachsen

Gerichtsshow ohne Quote

Nem‘ Se de Hände wech, junger Mann! Bei der Begegnung der Geschlechter sind Wort und Wille jedoch nicht unbedingt identisch. Abb.: Heinrich Zilles „Tanzendes Paar“

HANAU. Wieder der Herr B.! Wir erinnern uns: Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Vergewaltigung der Schülerin Tabea (damals 17) und Förderung der Prostitution zu drei Jahren und acht Monaten. Natürlich nahm er das nicht hin („Ich bin unschuldig; alles geschah einvernehmlich“) und ging in Berufung. Nun also die 6. kleine Strafkammer des Landgerichts. Auf seiner Seite diesmal: ein Fernsehjurist als Verteidiger. Das verspricht Unterhaltungswert.

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