Tak-tak – tak-tak um Mitternacht

Wahrheitsfindung unter freiem Himmel: Bericht aus dem Hanauer Anzeiger über den Ortstermin im Mordprozess des Jahres

HANAU. Das Gericht kam zum Tatort. Im Mordprozess gegen Lutz H. wollte sich die 1. Große Strafkammer einen Eindruck verschaffen von den Örtlichkeiten, vor allem aber von den Lichtverhältnissen, wie sie an jenem 7. September 2013 um kurz vor Mitternacht herrschten, als der Speditionsunternehmer Jürgen Volke durch die Tür seines Hauses erschossen wurde.

Kiffen als Lebensinhalt

HANAU. Almedina war ein schwieriges Kind. Aus ihm wurde eine noch schwierigere junge Frau. Eine Wandlerin zwischen zwei Sphären – der glitzernden Welt des Konsums in Deutschland und dem bodenständigen, einfachen Leben ihrer alten Heimat Bosnien, in die der Vater sie zurückgeschickte hatte. Es sollte eine „Erziehungsmaßnahme“ sein. Eines Tages nahm sie ein Messer, um ihn umzubringen. Eine Tat „aus heiterem Himmel", wie man so sagt. Nur, dass der Himmel über Almedina nie wirklich heiter war.

Wo Justiz versagt

Im Hollywood der 30er Jahre brauchte es nur einen verständigen Pater, und schon klappte es mit den Halbstarken. Die Polizei und die Bewohner von Erlensee haben da andere Erfahrungen gemacht. ©MGM

HANAU/ERLENSEE. Vor der 2. Jugendkammer des Landgerichts müssen sich drei junge Männer verantworten. Sie sollen Mitglieder einer Bande gewesen sein, die in Erlensee zahlreiche Straftaten beging und die Bewohner terrorisierte. Dem Trio wird unter anderem vorgeworfen, einen Automaten mit Gas aufgesprengt und einen Behinderten beraubt zu haben. Das ist schlimm genug. Schlimmer noch ist, dass man dies hätte kommen sehen können.

Top-Koch im Kiez

HANAU. Was hätte aus ihm werden können! Ein Superstar am Herd vielleicht, aber gelandet ist er in einem trostlosen Hanauer Kiez, und jetzt sitzt er auf der Anklagebank wegen einer Drogengeschichte, die übel ausgehen könnte. Bei ihm wurden nämlich auch Waffen gefunden. Für so etwas gibt es keine „Sterne“, sondern Jahre – hinter Gittern.

Mordprozess Volke: Lügen, Geld und Waffenliebe

Unter Mordverdacht: Lutz H. beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger von Dahlen. Foto: Graber
Durch die Tür erschossen: Mordopfer Jürgen Volke. Foto: Polizei

HANAU. Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts begann der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des Unternehmers Jürgen Volke (53). Der Inhaber einer Spedition und vierfache Familienvater war am 7. September 2013 in seinem Haus erschossen worden. Angeklagt ist Lutz H. (52), der Schwager des Opfers. Für den Prozess sind zunächst zehn Verhandlungstage vorgesehen.

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Manuels Urteil wird teuer für Lisa

So ist das mit der Liebe in Zeiten von Sturm und Drang: Sie kann böse enden. Illustration aus dem „Werther“: Jean Blaise Simonet

HANAU. Vier Jahre für Manuel. Das sind 48 Monate für ein Stakkato an Straftaten, die er sich in ziemlich kurzer Zeit geleistet hat, von diversen Diebstählen – gemeinschaftlichen und schweren und räuberischen – über Computerbetrug in elf Fällen bis zur Vergewaltigung. Und nun also noch gefährliche Körperverletzung. Manuel ist neunzehn und das, was man einen Intensivtäter nennt. Da sind, seien wir ehrlich, vier Jahre eigentlich nicht viel.

Ende einer jungen Liebe

HANAU. Das ist die Geschichte von Lisa und Manuel. Ganz romantisch hat sie angefangen, mit heimlichen Treffen und Verlobung und allerlei Ringelpiez mit Anfassen (vor allem damit). Ziemlich dramatisch fand sie ihr abruptes Ende. Das letzte Kapitel wird nun vor der 2. Jugendkammer erzählt. Die Staatsanwaltschaft wirft Manuel versuchten Totschlag vor.

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