Ausländerkriminalität

Das große Vergessen

HANAU/SCHLÜCHTERN. Weg isser, der Mustafa. Verdrückt hat er sich, angeblich in die Schweiz, obwohl er doch das Opfer ist und viel beitragen könnte zur Aufklärung dieser seltsamen Tat, bei der ihm schlimme Verletzungen zugefügt worden waren. Doch es gibt da offenbar auch eine andere Seite dieses „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings“.

Saufen, kiffen, abkassieren

Feine Adresse für „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, die es anderswo nicht so toll fanden: Schloß Hausen. Foto: Graber

HANAU/SCHLÜCHTERN. Dawit W. aus Eritrea hat seinen Freund Mus­tafa auf besti­alische Weise massakriert. Er stach ihm in den Hals, schnitt ihm die Augenlider ab und Stücke aus den Ohrmu­scheln. Angeblich soll es um 50 Euro gegangen sein. Im Prozess schweigt er, obwohl es wahrlich besser wäre für ihn, sich zur Sache zu äußern. Das Verfahren gewährt aber vor allem Einblick in die wirkliche Flüchtlingswelt, jenseits aller Gutmenschenromantik.

Mob lässt Prozess platzen

Vorbild El Patrón: Escobar nach seiner ersten Festnahme. Er regelte das Verfahren auf seine Weise: Nachdem zwei Belastungszeugen plötzlich „verstorben“ waren, wurde der Fall eingestellt. Foto: Polizei Medellin

HANAU. Ein Vorfall, der sich kürzlich vor dem Hanauer Jugendschöffenge­richt ereignete, beschäftigt Staatsan­waltschaft und Polizei. Offenbar ist es einer Gruppe Jugendlicher gelungen, durch rüpelhaftes Benehmen und ag­gressives Auftreten während der Ver­handlung einen Prozess platzen zu lassen. Es besteht der Verdacht, dass Zeugen bedroht und Schöffen im Ge­richtssaal fotografiert wurden. 

Die Leiden des jungen W.

HANAU. Keine Tat ohne Motiv. Aber welches hatte Dawit W., der seinen Freund Mustafa auf furchtbare Weise malträtierte, so dass der sein Augenlicht verlor? Es gibt da einen Ansatz. Richterin Wetzel bringt ihn ins Gespräch: eine gleichgeschlechtliche Affäre. Und sonst? Nun, das Bild von Dawit W. als Vorzeigeflüchtling hat ein paar arge Flecken bekommen. 

Gemetzel im Bergwinkel

Abgetaucht hinterm Aktendeckel: Dawit W. mit seinem Verteidiger Ulrich Will. Foto: Dieter Graber

HANAU. Dawit D. aus Eritrea massakriert am 7. Oktober 2016 seinen Freund Mustafa auf bestialische Weise. Er sticht ihm in den Hals, schneidet ihm die Augenlider ab, beißt ihm Stücke aus den Ohrmuscheln. Ein Streit unter Flüchtlingen, der eskalierte? Die Tat trägt rituelle Züge, es gibt zunächst kein plausibles Motiv. Und im Prozess schweigt der Angeklagte. 

Was bleibt, ist der Glaube

Aussage gegen Aussage. Also lügt einer. Das Mädchen ist es nicht, sagt die Psychologin. Foto: Kinderpuppe ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Es sieht nicht gut aus für den Angeklagten. Richterin Susanne Wetzel lässt anklingen, dass man die Aussage der jungen Zeugin, von ihrem Stiefvater missbraucht worden zu sein, für wahr hält. Schließlich wurde die Glaubwürdigkeit des Mädchens nun auch von einer Gutachterin bestätigt. Das heißt, Herr G. wird wegen einer Sexualstraftat verurteilt, die begangen zu haben er aber vehement leugnet. Die Zuschauer ficht das nicht an: Sie stehen weiter zu ihm. Sie glauben an seine Unschuld. 

Therapeut und Tyrann

Opfer oder Luder? Das entscheidende Wort dürfte in diesem Fall die Gutachterin haben. Kinderpuppe aus Gips ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Frau B. sagt aus im Vergewaltigungsprozess vor dem Hanauer Landgericht. Die ehemalige Mitarbeiterin des Angeklagten zeichnet das Bild eines Mannes, der tyrannische Züge mit einem Beschützerinstinkt verbindet. Aber von Übergriffigkeit habe sie nichts bemerkt. Dafür ergossen sich den lieben langen Tag über islamische Gebete aus den Lautsprechern der Praxis. 

Heilende Hände, schlimmer Finger?

Können Kinderaugen lügen? Und Tagebücher? Puerile Schaufensterpuppe aus Gips mit Gebrauchs-spuren, 20-er Jahre, farbig gefasst und bemalt. ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Seit einem halben Jahr sitzt Herr G. in Untersuchungshaft. Er soll ein zwölfjähriges Mädchen, die Tochter seiner Lebensgefährtin, vergewaltigt haben. Die Anklage basiert allein auf den Aussagen des angeblichen Opfers. Herr G. beteuert seine Unschuld. Es ist ein Prozess, in dem es nur Verlierer geben kann.

Kein Rabatt für Panzerknacker

Schlimme Assoziation: An „Bilder aus dem Irakkrieg“ fühlte sich Anwalt Schmelzer durch die Umstände der Festnahme erinnert. Filmplakat „Road to Guantanamo“, 2006

HANAU. Wurde die Polizei übergriffig, als sie vier jungen Straftätern, die auf dem Weg zu einem schweren Verbrechen waren, die Sicht nahm, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren? Jetzt fielen die Urteile gegen die Panzerknacker von Erlensee. Die Rechnung des Verteidigers ging nicht auf. Zu Recht!

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