Ausländerkriminalität

Die Leiden des jungen W.

HANAU. Keine Tat ohne Motiv. Aber welches hatte Dawit W., der seinen Freund Mustafa auf furchtbare Weise malträtierte, so dass der sein Augenlicht verlor? Es gibt da einen Ansatz. Richterin Wetzel bringt ihn ins Gespräch: eine gleichgeschlechtliche Affäre. Und sonst? Nun, das Bild von Dawit W. als Vorzeigeflüchtling hat ein paar arge Flecken bekommen. 

Gemetzel im Bergwinkel

Abgetaucht hinterm Aktendeckel: Dawit W. mit seinem Verteidiger Ulrich Will. Foto: Dieter Graber

HANAU. Dawit D. aus Eritrea massakriert am 7. Oktober 2016 seinen Freund Mustafa auf bestialische Weise. Er sticht ihm in den Hals, schneidet ihm die Augenlider ab, beißt ihm Stücke aus den Ohrmuscheln. Ein Streit unter Flüchtlingen, der eskalierte? Die Tat trägt rituelle Züge, es gibt zunächst kein plausibles Motiv. Und im Prozess schweigt der Angeklagte. 

Was bleibt, ist der Glaube

Aussage gegen Aussage. Also lügt einer. Das Mädchen ist es nicht, sagt die Psychologin. Foto: Kinderpuppe ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Es sieht nicht gut aus für den Angeklagten. Richterin Susanne Wetzel lässt anklingen, dass man die Aussage der jungen Zeugin, von ihrem Stiefvater missbraucht worden zu sein, für wahr hält. Schließlich wurde die Glaubwürdigkeit des Mädchens nun auch von einer Gutachterin bestätigt. Das heißt, Herr G. wird wegen einer Sexualstraftat verurteilt, die begangen zu haben er aber vehement leugnet. Die Zuschauer ficht das nicht an: Sie stehen weiter zu ihm. Sie glauben an seine Unschuld. 

Therapeut und Tyrann

Opfer oder Luder? Das entscheidende Wort dürfte in diesem Fall die Gutachterin haben. Kinderpuppe aus Gips ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Frau B. sagt aus im Vergewaltigungsprozess vor dem Hanauer Landgericht. Die ehemalige Mitarbeiterin des Angeklagten zeichnet das Bild eines Mannes, der tyrannische Züge mit einem Beschützerinstinkt verbindet. Aber von Übergriffigkeit habe sie nichts bemerkt. Dafür ergossen sich den lieben langen Tag über islamische Gebete aus den Lautsprechern der Praxis. 

Heilende Hände, schlimmer Finger?

Können Kinderaugen lügen? Und Tagebücher? Puerile Schaufensterpuppe aus Gips mit Gebrauchs-spuren, 20-er Jahre, farbig gefasst und bemalt. ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Seit einem halben Jahr sitzt Herr G. in Untersuchungshaft. Er soll ein zwölfjähriges Mädchen, die Tochter seiner Lebensgefährtin, vergewaltigt haben. Die Anklage basiert allein auf den Aussagen des angeblichen Opfers. Herr G. beteuert seine Unschuld. Es ist ein Prozess, in dem es nur Verlierer geben kann.

Kein Rabatt für Panzerknacker

Schlimme Assoziation: An „Bilder aus dem Irakkrieg“ fühlte sich Anwalt Schmelzer durch die Umstände der Festnahme erinnert. Filmplakat „Road to Guantanamo“, 2006

HANAU. Wurde die Polizei übergriffig, als sie vier jungen Straftätern, die auf dem Weg zu einem schweren Verbrechen waren, die Sicht nahm, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren? Jetzt fielen die Urteile gegen die Panzerknacker von Erlensee. Die Rechnung des Verteidigers ging nicht auf. Zu Recht!

Nur dissozial, mehr nicht

HANAU. Am Ende kam das raus, was am Anfang schon gesagt wurde: Soufiane J. ist „nur“ ein gewöhnlicher Krimineller, der sich halt nimmt, wie‘s ihm beliebt. Nicht die Droge hat ihn zur Straftat gedrängt, nicht der Alkohol, der Tablettenkonsum nicht und ebenso wenig die Spielsucht. Er war seine dissoziale Persönlichkeit. Na also!

Gerichtsnovela mit bissigem Anwalt

Es gibt Leute, denen man möglichst nicht begegnen möchte, weder am helllichten Tag auf einem Spielplatz noch nachts an der Tanke. Bisweilen haben sie ein Messer dabei. Abb.: Szene aus irgendeinem „Halloween“-Film von John Carpenter

HANAU. Ja, es war ein starkes, ein emotionales Plädoyer, das Verteidiger Peter Müller im Prozess gegen Soufiane J. hielt. Es war der letzte Versuch, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant ein Sklave der Drogen war, süchtig nach Kokain und Sportwetten. Es war so gut, dass der Angeklagte schließlich in Tränen ausbrach. Es war besser als Fernsehen – auf jeden Fall so ähnlich.

Sprengstoff im Hühnerstall

„Böses Gewerbe bringt bösen Lohn“, wusste schon Schiller. In diesem Fall haben unsere vier Gesellen noch mal Glück gehabt, dass die Polizei in der Nähe war und vielleicht Schlimmeres verhinderte. ©Filmsonor, 1953

HANAU. Netter Versuch eines Verteidigers im Prozess gegen die vier Dösbaddel aus Erlensee: Sie seien, sagt er, bei der Festnahme unrechtmäßig behandelt worden. Die Polizei hätte ihnen die Sicht mit einer Maske, bzw. mit Schlafbrillen genommen, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren. Das sei ein kriegsmäßiges Vorgehen. Er fordert deshalb Strafmilderung. Darauf muss man erst mal kommen.

Große Pläne, kleine Leuchten

Das zeichnet den erfolgreichen Safeknacker aus: Er trägt Maßanzug, bedient sich moderner Technik und gelangt lautlos zum Ziel. ©United Artists

HANAU/ERLENSEE. Das Fleisch war willig, der Geist hingegen schwach. Vier junge Leute aus Erlensee planten die großen Coups: Sie wollten Geld- und Fahrkartenautomaten mit einem Gasgemisch aufsprengen. Wenn es nicht so ernst wäre, man könnte lachen über die Dummköpfe mit Migrationshintergrund.

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