Ausländerkriminalität

Kein Rabatt für Panzerknacker

Schlimme Assoziation: An „Bilder aus dem Irakkrieg“ fühlte sich Anwalt Schmelzer durch die Umstände der Festnahme erinnert. Filmplakat „Road to Guantanamo“, 2006

HANAU. Wurde die Polizei übergriffig, als sie vier jungen Straftätern, die auf dem Weg zu einem schweren Verbrechen waren, die Sicht nahm, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren? Jetzt fielen die Urteile gegen die Panzerknacker von Erlensee. Die Rechnung des Verteidigers ging nicht auf. Zu Recht!

Nur dissozial, mehr nicht

HANAU. Am Ende kam das raus, was am Anfang schon gesagt wurde: Soufiane J. ist „nur“ ein gewöhnlicher Krimineller, der sich halt nimmt, wie‘s ihm beliebt. Nicht die Droge hat ihn zur Straftat gedrängt, nicht der Alkohol, der Tablettenkonsum nicht und ebenso wenig die Spielsucht. Er war seine dissoziale Persönlichkeit. Na also!

Gerichtsnovela mit bissigem Anwalt

Es gibt Leute, denen man möglichst nicht begegnen möchte, weder am helllichten Tag auf einem Spielplatz noch nachts an der Tanke. Bisweilen haben sie ein Messer dabei. Abb.: Szene aus irgendeinem „Halloween“-Film von John Carpenter

HANAU. Ja, es war ein starkes, ein emotionales Plädoyer, das Verteidiger Peter Müller im Prozess gegen Soufiane J. hielt. Es war der letzte Versuch, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant ein Sklave der Drogen war, süchtig nach Kokain und Sportwetten. Es war so gut, dass der Angeklagte schließlich in Tränen ausbrach. Es war besser als Fernsehen – auf jeden Fall so ähnlich.

Sprengstoff im Hühnerstall

„Böses Gewerbe bringt bösen Lohn“, wusste schon Schiller. In diesem Fall haben unsere vier Gesellen noch mal Glück gehabt, dass die Polizei in der Nähe war und vielleicht Schlimmeres verhinderte. ©Filmsonor, 1953

HANAU. Netter Versuch eines Verteidigers im Prozess gegen die vier Dösbaddel aus Erlensee: Sie seien, sagt er, bei der Festnahme unrechtmäßig behandelt worden. Die Polizei hätte ihnen die Sicht mit einer Maske, bzw. mit Schlafbrillen genommen, nachdem sie aus ihrem Auto gezerrt worden waren. Das sei ein kriegsmäßiges Vorgehen. Er fordert deshalb Strafmilderung. Darauf muss man erst mal kommen.

Große Pläne, kleine Leuchten

Das zeichnet den erfolgreichen Safeknacker aus: Er trägt Maßanzug, bedient sich moderner Technik und gelangt lautlos zum Ziel. ©United Artists

HANAU/ERLENSEE. Das Fleisch war willig, der Geist hingegen schwach. Vier junge Leute aus Erlensee planten die großen Coups: Sie wollten Geld- und Fahrkartenautomaten mit einem Gasgemisch aufsprengen. Wenn es nicht so ernst wäre, man könnte lachen über die Dummköpfe mit Migrationshintergrund.

Von Räubern und Helden

Tatort Rosenstraße: Überfälle auf Juweliergeschäfte sind am riskantesten, wenn viele Zeugen in der Nähe sind. Das wussten die beiden Nachwuchsgangster wohl nicht. ©Foto: Graber

HANAU. Paulius und Ricardas scheiterten bei ihrem Überfall auf das Juweliergeschäft in der Rosenstraße erstens an der wehrhaften Inhaberin und zweitens der Tatsache, dass an diesem Nachmittag gleich eine Vielzahl von Helden in der City unterwegs war. Da konnte es ja nichts werden mit dem Blitzcoup. Vermutlich standen sich die beiden Dösbaddel aber vor allem selbst im Wege. Vor Gericht übrigens auch: Es gab dreieinhalb und viereinhalb Jahre. Dumm gelaufen.

Bettelüberfall im Kreisverkehr

Der Tatort (Pfeil), ein Kreisel zwischen Hammersbach und Büdingen. Im Bettelgewerbe kommt man ganz schön rum: Herr C., der aus Rumänien stammt, war zuletzt in Berlin gemeldet. Abb.: ©GoogleEarth

HANAU. Die Masche des Ninel C. ist deshalb so verabscheuungswürdig, weil er Schindluder treibt mit unserer Hilfsbereitschaft: Er täuscht Pannen vor und zockt dann gutmütige Autofahrer ab. In zumindest einem Fall könnte er allerdings selbst in dieser Schlechtigkeit noch zu weit gegangen sein. Ninel C. ist angeklagt, weil er eine junge Frau, die ihm kein Geld geben wollte, mit einem Messer bedroht haben soll.

Da kriegste was gelernt!

Bei diesem Herrn wären Drogen sicherlich leicht nachweisbar gewesen. Er segnete 1970 das Zeitliche. Seine Musik ist unsterblich. ©Rockstarwallpapers

HANAU. Im Strafprozess geht es nicht nur um die hohe Kunst der Wahrheitsfindung. Manchmal tauchen die Beteiligten und das werte Publikum auch ein in die wunderbare Welt des Wissens. Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass Japaner die Haarwuchsweltmeister sind und bei Blondinen, ob echten oder falschen, Drogen im Haupthaar schwerer nachzuweisen sind als bei Leuten mit schwarzem Schopf? Tja gehste zur Verhandlung, kriegste was gelernt.

Haarige Sache

HANAU. Die Geschichte von Soufiane J., dem miesen kleinen Räuber, der Schüler auf einem Spielplatz überfiel und sich von einer couragierten Tankstellenkassiererin in die Flucht schlagen ließ, zeigt einmal mehr den Zustand unserer Justiz: Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, was der Bundesgerichtshof dem Gericht in der Revision unter die Nase reiben könnte, wird begutachtet, was das Zeug hält. Nun geht es sogar um die Frage, wie schnell die Haare des Angeklagten wachsen

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