Ausländerkriminalität

Großer Kokser vor dem Herrn

1862 begann die Pharmafirma Merck mit der Produktion von Kokain. Ein Allzweckmittel gegen allerlei Gebresten. Heute lässt es sich auch zur Strafmilderung verwenden ©Merck Corporate History

HANAU. Der Satz „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ wird Konrad Adenauer zugeschrieben. Er lässt sich bei vielen Gelegenheiten anwenden. Auch im Gericht. Zum Beispiel, wenn ein Gutachter innerhalb weniger Tage bei ein und demselben Probanden zu zwei völlig gegensätzlichen Ergebnissen kommt. Und noch ein Zitat: „Psychoanalyse ist mehr eine Leidenschaft als eine Wissenschaft.“ Ist von Karl Kraus. Leidenschaft aber darf alles. Ist von mir.

Zug nach nirgendwo

„… mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr“: Bahnhöfe sind Tore zur Welt. Aber vorher unbedingt eine Fahrkarte lösen! Foto: Graber

HANAU. Beförderungserschleichung ist ein vielgesichtiges Delikt: Es gibt Leute, die tun es immer wieder – aus Not, sportlichem Ehrgeiz, aus Prinzip, manche aus Protest … Nabils Motiv ist anders. Er ist ein Schwarzfahrer, der von einem unerklärlichen inneren Antrieb bewegt wird – direkt in abfahrtbereite Züge hinein.

Kino in Saal 216

HANAU. Schwarzer Tag für Soufiane J. (27), der sich vor dem Landgericht verantworten muss, weil er Schüler auf einem Spielplatz, einen Passanten sowie eine Tankstelle überfallen haben soll. Der renommierte Gutachter Werner Richtberg sieht keinen Grund für eine Strafmilderung: Die Taten seien nicht dem angeblich exzessiven Drogengenuss des Angeklagten geschuldet. Allerdings erzielte sein Verteidiger zumindest einen kleinen Erfolg. Es könnte aber auch ein großer werden.

Kleiner Mann mit großem Messer

HANAU. Vor der 5. Großen Strafkammer muss sich ein 27-Jähriger verantworten. Er soll eine Gruppe von Schülern auf einem Spielplatz mit einem Messer bedroht und ihnen ihre Barschaft abgenommen haben. Außerdem werden ihm zwei weitere Überfälle, unter anderem auf eine Tankstelle, zur Last gelegt. Der Angeklagte ist weitgehend geständig, gibt vor, spiel- und drogensüchtig zu sein.

Beinahe lebenslänglich

Vorm Urteil im Fokus der Medien: Mostafa und Mohammad A. (verdeckt) mit den Anwälten Freydank (links) und Hablizel. Foto: Graber

HANAU. Mostafa A. (22), der seine hochschwangere Schwester Ramia erstach, wurde vom Landgericht wegen Totschlags zu zwölf Jahren verurteilt. Die Kammer machte klar, dass er haarscharf an einer lebenslangen Freiheitsstrafe vorbeigekommen sei. Sein Bruder Mohammad (26) bekam neun Monate wegen Körperverletzung. Er hatte seinen Schwager im Streit geschlagen und gewürgt.

Ein Ehrenmord oder so ähnlich

Der Ankläger und der Medienrummel: Oberstaatsanwalt Heinze (hier am ersten Prozesstag) hielt ein bemerkenswertes emotionales Plädoyer. Foto: Graber

HANAU. Im Verfahren gegen Mostafa A. (22), der seine hochschwangere Schwester Ramia erstach, forderte der Staatsanwalt gestern eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Totschlags in besonders schwerem Fall. Sein Bruder Mohammad soll wegen Körperverletzung zu einer 14-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt werden. Er hatte seinen Schwager Ayman A. im Streit geschlagen und gewürgt. Übrigens: Allein die Schlussvorträge von Anklage und Verteidigung waren den Prozessbesuch wert.

Von Sex, Geld und Ehre

Wiedersehen in Saal 215: Mostafa (vorn) und Mohammad umarmen sich vor Prozessbeginn. Der Haftbefehl gegen den Älteren war aufgehoben worden (links dessen Verteidiger Reiner Freydank). Foto: Graber

HANAU. Mostafa sagt, er habe es getan. Er allein. Sein Bruder, der Mohammad, sei unschuldig an allem, was am Abend des 7. Januar im Haus Freigerichtsstraße 10 in Hanau vorgefallen ist. An diesem Tag hatte Mostafa seine schwangere Schwester Ramia mit fünfzehn Messerstichen getötet. Auch das ungeborene Kind verlor sein Leben. Nun begann vor der 1. Schwurgerichtskammer der Prozess gegen die beiden jungen Syrer, die 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

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