Flüchtlinge

Besser: Konsequenzen ziehen

HANAU. Sieht so aus, als sei das Verhältnis zwischen Polizei und Landgerichtsspitze ein wenig getrübt. Es geht um die deutliche Kritik von Präsidentin Susanne Wetzel an der Ermittlungsarbeit im Fall des angeblich unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings Dawit W., der seinen Freund in Schlüchtern massakrierte (hier). In ihrer Urteilsbegründung war von der Jugendkammervorsitzenden unter anderem moniert worden, die Beamten hätten ein Altersbestimmungsgutachten einzuholen versäumt. Dann wäre nämlich rechtzeitig herausgekommen, dass W. bereits mindestens sechsundzwanzig ist.

Good Cops, Bad Cops

Hielt seine Mimik während des Prozesses eingefroren, schlägt nun aber artig die Hände vors Gesicht: Dawit W. ist gar kein Minderjähriger mehr. Donnerwetter, wer hätte das gedacht! Abb.: Graber

HANAU. Dawit W. kriegt neuneinhalb Jahre, zeigt keine Reue, geht aber in die Revision. Die Richterin macht die Polizei fertig, die Staatsanwaltschaft ist verwundert, das Opfer bleibt verschwunden, ein Gutachter redet dummes Zeug, und am Ende jenes kuriosen Verfahrens um eine bizarre Tat bleibt folgendes Resümee: In der Flüchtlingsfrage wird geheuchelt und gelogen, was das Zeug hält, und viele verdienen prächtig daran, auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich. 

Das große Vergessen

HANAU/SCHLÜCHTERN. Weg isser, der Mustafa. Verdrückt hat er sich, angeblich in die Schweiz, obwohl er doch das Opfer ist und viel beitragen könnte zur Aufklärung dieser seltsamen Tat, bei der ihm schlimme Verletzungen zugefügt worden waren. Doch es gibt da offenbar auch eine andere Seite dieses „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings“.

Die Leiden des jungen W.

HANAU. Keine Tat ohne Motiv. Aber welches hatte Dawit W., der seinen Freund Mustafa auf furchtbare Weise malträtierte, so dass der sein Augenlicht verlor? Es gibt da einen Ansatz. Richterin Wetzel bringt ihn ins Gespräch: eine gleichgeschlechtliche Affäre. Und sonst? Nun, das Bild von Dawit W. als Vorzeigeflüchtling hat ein paar arge Flecken bekommen. 

Gemetzel im Bergwinkel

Abgetaucht hinterm Aktendeckel: Dawit W. mit seinem Verteidiger Ulrich Will. Foto: Dieter Graber

HANAU. Dawit D. aus Eritrea massakriert am 7. Oktober 2016 seinen Freund Mustafa auf bestialische Weise. Er sticht ihm in den Hals, schneidet ihm die Augenlider ab, beißt ihm Stücke aus den Ohrmuscheln. Ein Streit unter Flüchtlingen, der eskalierte? Die Tat trägt rituelle Züge, es gibt zunächst kein plausibles Motiv. Und im Prozess schweigt der Angeklagte. 

Rabatt mit Juristenalgebra

HANAU/ERLENSEE. Es bleibt dabei: Taher, Jamea (beide 19) und Ali (24) müssen ins Gefängnis. In der Berufungsverhandlung reduzierte die 2. Jugendkammer zwar das Strafmaß. Bewährung aber war für keinen der Angeklagten drin, die zur sogenannten „Erlenseebande“ gehörten und schon seit frühester Jugend straffällig wurden.

Kiffen als Lebensinhalt

HANAU. Almedina war ein schwieriges Kind. Aus ihm wurde eine noch schwierigere junge Frau. Eine Wandlerin zwischen zwei Sphären – der glitzernden Welt des Konsums in Deutschland und dem bodenständigen, einfachen Leben ihrer alten Heimat Bosnien, in die der Vater sie zurückgeschickte hatte. Es sollte eine „Erziehungsmaßnahme“ sein. Eines Tages nahm sie ein Messer, um ihn umzubringen. Eine Tat „aus heiterem Himmel", wie man so sagt. Nur, dass der Himmel über Almedina nie wirklich heiter war.

Wo Justiz versagt

Im Hollywood der 30er Jahre brauchte es nur einen verständigen Pater, und schon klappte es mit den Halbstarken. Die Polizei und die Bewohner von Erlensee haben da andere Erfahrungen gemacht. ©MGM

HANAU/ERLENSEE. Vor der 2. Jugendkammer des Landgerichts müssen sich drei junge Männer verantworten. Sie sollen Mitglieder einer Bande gewesen sein, die in Erlensee zahlreiche Straftaten beging und die Bewohner terrorisierte. Dem Trio wird unter anderem vorgeworfen, einen Automaten mit Gas aufgesprengt und einen Behinderten beraubt zu haben. Das ist schlimm genug. Schlimmer noch ist, dass man dies hätte kommen sehen können.

Beinahe lebenslänglich

Vorm Urteil im Fokus der Medien: Mostafa und Mohammad A. (verdeckt) mit den Anwälten Freydank (links) und Hablizel. Foto: Graber

HANAU. Mostafa A. (22), der seine hochschwangere Schwester Ramia erstach, wurde vom Landgericht wegen Totschlags zu zwölf Jahren verurteilt. Die Kammer machte klar, dass er haarscharf an einer lebenslangen Freiheitsstrafe vorbeigekommen sei. Sein Bruder Mohammad (26) bekam neun Monate wegen Körperverletzung. Er hatte seinen Schwager im Streit geschlagen und gewürgt.

Seiten