Gallienstraße

Das Gericht zieht sich zur Erholung zurück

HANAU. Pause im Volkeprozess. Noch bis Monatsende. Das Gericht macht Urlaub. Die Regeln für Unter­brechun­gen in Mammutver­fahren sind eine Wissen­schaft für sich. Da müssen sich selbst Kammer­vorsit­zende bisweilen in den Paragra­phen 229 StPO vertiefen. Aber darf sich die Justiz in die schönsten Wo­chen des Jahres verabschieden, wäh­rend zwei Angeklagte in U-Haft sit­zen? Ja, darf sie. Immerhin besteht nach wie vor dringender Tatverdacht. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach zwei­und­zwanzig Pro­zesstagen.

Tour d’Amour mit Spätfolgen

Die Angeklagten und ihre Anwälte: Lutz H. nimmt seiner Lebensgefährtin eine alte Affäre übel und zitiert Caligula. Falsch zwar, aber dennoch eindeutig. Foto: D. Graber

HANAU. In der Schule müssen die Störenfriede ganz vorne sitzen. Das war schon bei Ludwig Thoma so und ist in heutigen Gerichtssälen nicht anders. Und das erleben wir nun auch im Volkeprozess, wo Lutz H. und seine Verteidiger (bisher: Anklagebank, zweite Reihe) mit Banu D. und den ihren (vormals erster Rang) die Plätze wechselten. Denn Banu D. fühlt sich bedroht von ihrem Geliebten, den wir künftig wohl ihren „Ex“ nennen müssen. Sie möchte ihn einfach nicht mehr im Rücken haben. Schuld daran hat eine dreieinhalb Jahre zurückliegende nächtliche Tour d’Amour mit einem anderen Mann.

Viel Puzzle, wenig Beweis

Tattheorien aus dem Skizzenbuch: Es könnte so abgelaufen sein – aber natürlich auch ganz anders. Abb.: ©Darwyn Cooke, „The Hunter“

HANAU. Indizienprozesse laufen meist darauf hinaus, dass die Anklagebehörde ein dichtmaschiges Netz an Scheinbeweisen zusammenträgt, das die Schuld des oder der Angeklagten evident machen soll. Viele kleine Mosaiksteinchen ergeben dann ein Bild, dem sich das Gericht nicht zu entziehen vermag. Motto: Wir basteln uns einen Tathergang. Im Volkeprozess sieht es bisher jedenfalls auch so aus.

Alibi vom Führer

HANAU. Wie selbstbewusst darf ein Beschuldigter im Polizeiverhör sein, um sich nicht von vornherein verdächtig zu machen? Im Fall des Lutz H. genügte lockeres Auftreten und eine kommode Sitzhaltung, bei den Vernehmungsexperten sogleich Zweifel an seiner möglichen Unschuld zu wecken. 

Vier Schüsse, ein Loch

Hanaus derzeit bekannteste Straße. Sie hat übrigens nichts mit Asterix und Obelix zu tun, sondern mit  Jean-Louis Gallien, dem ersten Lehrer an der Zeichenakademie. ©Graber

HANAU. Gallienstraße 18. Eine Glastür. Hinter ihr starb Jürgen Volke, von drei Kugeln getroffen in der Nacht des 7. September 2013. Ein viertes Geschoss sauste durchs ganze Haus und blieb in der Gartenbegrenzung stecken. Im Glaseinsatz fand sich aber nur ein Einschussloch. Wie ist das möglich? Ein Gutachter hat dafür eine Erklärung parat … Ach ja, es gab auch noch einen Ortstermin. Vor der Tür und drumherum.

In der Falle

HANAU. Überraschende Wende im Mordfall Volke: Die Lebensgefährtin des Angeklagten wurde im Gerichtssaal wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes verhaftet. Banu D. hatte in den zurückliegenden Prozesstagen als Zeugin ausgesagt und sollte auch heute wieder gehört werden. Die bisherige Beweisaufnahme verstärkt vor dem Hintergrund neuer, aber auch bereits ermittelter Indizien die Vermutung, dass die Tat von Lutz B. und Banu D. gemeinsam geplant und von ihr am 7. September 2013 ausgeführt wurde.

Sex mit dem Großwildjäger

HANAU. Im Prozess um den Mord in der Gallienstraße vor der 1. Große Strafkammer sagt Banu D. aus, die Lebensgefährtin von Lutz H., der seinen Schwager erschossen haben soll. Sie zeichnet das Bild eines naturverbundenen Menschen, der ein verständiger Ersatzvater für ihre beiden Kinder gewesen sei. Hinten im Saal zetert derweil seine Noch-Ehefrau.

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