Gallienstraße

Der Fahnder lässt die Puppen tanzen

Sie sind jung und brauchen das Geld: Die Damen im „Salon de la rue des Moulins“ warten auf die Gelegenheit für einen Private Dance (Henri de Toulouse Lautrec, 1894)

HANAU. Errol ohne Ende. Der Verdeckte Ermittler des Bundeskriminalamtes erzählt weiterhin Details aus seinem fröhlichen Beisammensein mit Lutz H. und Banu D., auch von seinem Trip nach Slowenien und dem feuchtfröhlichen Besuch im Nachtclub Belvedere. Es dient zwar nicht der Wahrheitsfindung, aber wenigstens ist ein bisschen Pikanterie dabei. 

Deftiges aus der Indizienküche

Erstes Haus am Platz: Im „Kohlmayr’s“ zu Gmünd zeichnete Errol heimlich Gespräche mit den Zielpersonen auf. Von hier aus ging’s zur Herrenpartie nach Slowenien ©hotel-ami.de

HANAU. Im Prozess um den Mord an Jürgen Volke wird es immer skurriler. Mit vielen belastenden Bemerkungen hatte der unter Erfolgsdruck stehende Verdeckte Ermittler Errol in seinen Berichten an die Vorgesetzten versucht, aus offenbar konstruierten Verdachtsmomenten gegen Banu D. und Lutz H. ein Indiziennetz zu knüpfen. Nun erzählte VE3 im Zeugenstand, wie er mit dem Verdächtigen eine Sause nach Slowenien machte.

Das Gericht zieht sich zur Erholung zurück

HANAU. Pause im Volkeprozess. Noch bis Monatsende. Das Gericht macht Urlaub. Die Regeln für Unter­brechun­gen in Mammutver­fahren sind eine Wissen­schaft für sich. Da müssen sich selbst Kammer­vorsit­zende bisweilen in den Paragra­phen 229 StPO vertiefen. Aber darf sich die Justiz in die schönsten Wo­chen des Jahres verabschieden, wäh­rend zwei Angeklagte in U-Haft sit­zen? Ja, darf sie. Immerhin besteht nach wie vor dringender Tatverdacht. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach zwei­und­zwanzig Pro­zesstagen.

Tour d’Amour mit Spätfolgen

Die Angeklagten und ihre Anwälte: Lutz H. nimmt seiner Lebensgefährtin eine alte Affäre übel und zitiert Caligula. Falsch zwar, aber dennoch eindeutig. Foto: D. Graber

HANAU. In der Schule müssen die Störenfriede ganz vorne sitzen. Das war schon bei Ludwig Thoma so und ist in heutigen Gerichtssälen nicht anders. Und das erleben wir nun auch im Volkeprozess, wo Lutz H. und seine Verteidiger (bisher: Anklagebank, zweite Reihe) mit Banu D. und den ihren (vormals erster Rang) die Plätze wechselten. Denn Banu D. fühlt sich bedroht von ihrem Geliebten, den wir künftig wohl ihren „Ex“ nennen müssen. Sie möchte ihn einfach nicht mehr im Rücken haben. Schuld daran hat eine dreieinhalb Jahre zurückliegende nächtliche Tour d’Amour mit einem anderen Mann.

Viel Puzzle, wenig Beweis

Tattheorien aus dem Skizzenbuch: Es könnte so abgelaufen sein – aber natürlich auch ganz anders. Abb.: ©Darwyn Cooke, „The Hunter“

HANAU. Indizienprozesse laufen meist darauf hinaus, dass die Anklagebehörde ein dichtmaschiges Netz an Scheinbeweisen zusammenträgt, das die Schuld des oder der Angeklagten evident machen soll. Viele kleine Mosaiksteinchen ergeben dann ein Bild, dem sich das Gericht nicht zu entziehen vermag. Motto: Wir basteln uns einen Tathergang. Im Volkeprozess sieht es bisher jedenfalls auch so aus.

Alibi vom Führer

HANAU. Wie selbstbewusst darf ein Beschuldigter im Polizeiverhör sein, um sich nicht von vornherein verdächtig zu machen? Im Fall des Lutz H. genügte lockeres Auftreten und eine kommode Sitzhaltung, bei den Vernehmungsexperten sogleich Zweifel an seiner möglichen Unschuld zu wecken. 

Vier Schüsse, ein Loch

Hanaus derzeit bekannteste Straße. Sie hat übrigens nichts mit Asterix und Obelix zu tun, sondern mit  Jean-Louis Gallien, dem ersten Lehrer an der Zeichenakademie. ©Graber

HANAU. Gallienstraße 18. Eine Glastür. Hinter ihr starb Jürgen Volke, von drei Kugeln getroffen in der Nacht des 7. September 2013. Ein viertes Geschoss sauste durchs ganze Haus und blieb in der Gartenbegrenzung stecken. Im Glaseinsatz fand sich aber nur ein Einschussloch. Wie ist das möglich? Ein Gutachter hat dafür eine Erklärung parat … Ach ja, es gab auch noch einen Ortstermin. Vor der Tür und drumherum.

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