Gutachter

Nur dissozial, mehr nicht

HANAU. Am Ende kam das raus, was am Anfang schon gesagt wurde: Soufiane J. ist „nur“ ein gewöhnlicher Krimineller, der sich halt nimmt, wie‘s ihm beliebt. Nicht die Droge hat ihn zur Straftat gedrängt, nicht der Alkohol, der Tablettenkonsum nicht und ebenso wenig die Spielsucht. Er war seine dissoziale Persönlichkeit. Na also!

Da kriegste was gelernt!

Bei diesem Herrn wären Drogen sicherlich leicht nachweisbar gewesen. Er segnete 1970 das Zeitliche. Seine Musik ist unsterblich. ©Rockstarwallpapers

HANAU. Im Strafprozess geht es nicht nur um die hohe Kunst der Wahrheitsfindung. Manchmal tauchen die Beteiligten und das werte Publikum auch ein in die wunderbare Welt des Wissens. Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass Japaner die Haarwuchsweltmeister sind und bei Blondinen, ob echten oder falschen, Drogen im Haupthaar schwerer nachzuweisen sind als bei Leuten mit schwarzem Schopf? Tja gehste zur Verhandlung, kriegste was gelernt.

Haarige Sache

HANAU. Die Geschichte von Soufiane J., dem miesen kleinen Räuber, der Schüler auf einem Spielplatz überfiel und sich von einer couragierten Tankstellenkassiererin in die Flucht schlagen ließ, zeigt einmal mehr den Zustand unserer Justiz: Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, was der Bundesgerichtshof dem Gericht in der Revision unter die Nase reiben könnte, wird begutachtet, was das Zeug hält. Nun geht es sogar um die Frage, wie schnell die Haare des Angeklagten wachsen

Vampir auf Koks

Beißt sich so durch: Blutsauger kommen in den besten Familien vor. ©Friedrich-Murnau-Stiftung

HANAU. Wenn’s schlecht läuft für Soufiane J., 27, muss er für sieben oder acht Jahre in den Bau. Drei Raubüberfälle mit einem Messer sind halt kein Pappenstiel. Deshalb macht Soufiane L. auf schwer drogensüchtig. Er rechnet sich „verminderte Schuldfähigkeit“ aus. Vielleicht ist er aber auch nur ein fauler Hund, der seine eigene Familie beklaut, erpresst, terrorisiert. Zu diesem Schluss könnte man kommen, nachdem seine Eltern und Geschwister ausgesagt haben.

Großer Kokser vor dem Herrn

1862 begann die Pharmafirma Merck mit der Produktion von Kokain. Ein Allzweckmittel gegen allerlei Gebresten. Heute lässt es sich auch zur Strafmilderung verwenden ©Merck Corporate History

HANAU. Der Satz „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ wird Konrad Adenauer zugeschrieben. Er lässt sich bei vielen Gelegenheiten anwenden. Auch im Gericht. Zum Beispiel, wenn ein Gutachter innerhalb weniger Tage bei ein und demselben Probanden zu zwei völlig gegensätzlichen Ergebnissen kommt. Und noch ein Zitat: „Psychoanalyse ist mehr eine Leidenschaft als eine Wissenschaft.“ Ist von Karl Kraus. Leidenschaft aber darf alles. Ist von mir.