Revision

Verdächtige Spuren im Sand

Wir wissen es vom König der Metaphern: Aus dem großen Schlaf gibt es kein Erwachen mehr, beim Dösen hingegen schon. Taschenbuchausgabe von Chandlers Meisterwerk ©Penguin/Graber

HANAU. Also gut. Nur gedöst hat sie, die Zeugin Sch., nicht geschlafen. Darauf legt sie Wert. Und die beiden Knallgeräusche, Schüsse vermutlich, habe sie deutlich vernommen, ebenso wie den Klingelton ihres Mobiltelefons, woraufhin sie nach Hanau gefahren sei am Mittag des 6. Juni 2014. Aber zu diesem Zeitpunkt müssen die Klocks noch am Leben gewesen sein. 

Schlaf oder Schlummer

Rund 130 Meter Luftlinie trennen den Ort des Geschehens von der Liege, auf welcher die Zeugin Andrea S. ruhte. © GoogleEarth

HANAU. Die wichtigste Zeugin im Prozess um den Tod des Ehepaars Klock ist für die Nebenklage eine Frau, die zur Tatzeit in etwa hundertdreißig Meter Entfernung auf einer Gartenliege ruhte. Aber wie ruhte sie? Im Tiefschlaf oder nur dösend? Sie gibt an, von zwei Schüssen (oder schussähnlichen Geräuschen) aufgeschreckt worden zu sein. Das kann viel bedeuten. Oder gar nichts. 

Zum Auftakt in die Zelle

Klockprozess reloaded, übrigens im selben Saal (Nr. 215) und mit einem Richter, der auch damals schon dabei war, inzwischen aber zur 2. Strafkammer wechselte. Wir sehen die Angeklagten mit ihren Verteidigern Kühne-Geiling (ganz rechts) sowie Scherzberg und Fuchs und den obligatorischen Kameramann (vor der Kammervorsitzenden Wetzel). ©Graber

HANAU. Reset! Es geht von vorn los. Nein, natürlich nicht ganz von vorn, denn eigentlich ist ja alles gesagt und ausermittelt, was es im Klockverfahren zu sagen und zu ermitteln gibt. Aber der Bundesgerichtshof wollte es so. Und deshalb befasst sich nun die 2. Große Strafkammer mit dem Vorfall von vor über drei Jahren auf der Main River Ranch in Maintal. Sollte Ihnen also beim Lesen dieses Berichts manches bekannt vorkommen – ein Zufall wäre das nicht.

Pfusch am Recht

HANAU/KARLSRUHE. Da lief der scheidende Gottvater der Rechtsprechung aber noch mal zu ganz großer Form auf. Unter Vorsitz von Thomas Fischer verriss der 2. BGH-Senat das Klockurteil vom August 2015 und gab es den Hanauer Richtern nun schriftlich: Lauter Rechtsfehler wären ihnen unterlaufen. Sonst hätte das Ergebnis ihrer Beweisaufnahme anders ausgesehen. Zum Unterschreiben ist Fischer übrigens nicht mehr gekommen. Krankheitshalber, wie es heißt.

BGH drückt Reset-Taste

Müssen noch mal ran: Klaus-Dieter B. (links) und sein Sohn Claus Pierre, dazwischen die Verteidiger Scherzberg und Kühne-Geiling. Foto ©Graber

KARLSRUHE/HANAU. Also doch! Der Fall Klock muss neu aufgerollt werden, entschied der Bundesgerichtshof. Er gab dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft statt und hob die Freisprüche des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 auf. Das Urteil weise Lücken, Ungenauigkeiten und missverständliche Formulierungen auf, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Fischer. Die Angeklagten bleiben jedoch zumindest vorerst auf freiem Fuß. Der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze erklärte unterdessen, einstweilen keinen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls stellen zu wollen.

BGH geht in die Verlängerung

HANAU/KARLSRUHE. Nun doch erst nächste Woche wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofs über eine Revision im Fall Klock verkündet. Zwar befasste sich der 2. Strafsenat bereits in öffentlicher Verhandlung mit den Anträgen von Staatsanwaltschaft, Nebenklägern und der Verteidigung. Über eine Stunde lang trugen die Parteien ihre jeweilige Sicht auf das bemerkenswerte Urteil des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 vor (Freisprüche wegen Notwehr, bzw. Nothilfe). Am Abend hieß es dann, entgegen einer ersten Ankündigung für den Vormittag, der Termin sei auf den 1. Februar verschoben worden. Prozessbeobachter schlussfolgern daraus, dass sich der 2. Senat noch genauer in den Fall einarbeiten will. Dazu auch unser Kommentar.

Automatensprenger: Mehr als Rabatt nicht drin

HANAU. Die 2. Große Strafkammer bleibt dabei – es war versuchter Mord! Olaf H. und Denis D. hätten ihrem Komplizen Manfred O. ärztliche Hilfe vorenthalten, um nicht selbst mit der vorausgegangenen Straftat, der Sprengung eines Fahrkartenautomaten, in Verbindung gebracht zu werden. Wegen der langen Dauer des Revisionsverfahrens beim BGH bekam Olaf H. vier Monate „Rabatt" (auf sieben Jahre aus dem ersten Urteil), Denis D. zwei Monate (auf fünf Jahre).

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