Tabakverfahren

Kleiner Fisch und großes Geld

Die Straße, über die Tabak transportiert wird, auf den das Finanzamt ein Auge geworfen hat, muss nicht lang sein. Die Fahrt kann einen trotzdem teuer zu stehen kommen.

HANAU. Es ist einer der längsten Strafprozesse in der bundesdeutschen Justizgeschichte. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet sich das Hanauer Landgericht an einem Verfahren ab, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Es geht um Tabakschmuggel. Nun wurden mal wieder ein paar Urteile gesprochen. Und die Karawane zieht weiter.

Da waren's nur noch elf

Wer wird denn gleich in die Luft gehen, greife lieber … zur StPO! Ärgerlich für Staatsanwalt und Steuerzahler: Der Prozess verschlingt Millionen, und obendrein hagelt es Freisprüche.

HANAU. Die Riege der Angeklagten im Tabakverfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer schrumpft weiter: Nun wurden Wladislaw L. und Oleg G. freigesprochen – freilich nicht wegen erwiesener Unschuld: Richter Andreas Weiß monierte, dass die Ermittlungen am Rechtsstaat vorbei geführt worden seien. Ganz schlecht kam die Zollfahndung dabei weg.

Pringles, Poker, Paragraphen

100. Prozesstag im Tabakverfahren. Der Herr vorne links in schwarzer Robe ist Anwalt Ulrich Will. Er hat was zum Knabbern mitgebracht. Ansonsten hapert’s ja mit der Verpflegung. Popcorn und Eiskonfekt wie im Kino wäre eine Idee. Wer wagt's?

HANAU. Am Ende werden es, vorsichtig geschätzt, viereinhalb Millionen Euro sein – der Prozess um geschmuggelten Tabak und gefälschte Zigaretten schleppt sich müde dahin. Während die 5. Strafkammer bemüht ist, das Verfahren zu einem juristisch einwandfreien Ende zu bringen, surfen Angeklagte und Verteidiger im Internet und spielen Poker. Eine traurige Zwischenbilanz.