Vergewaltigung

Was bleibt, ist der Glaube

Aussage gegen Aussage. Also lügt einer. Das Mädchen ist es nicht, sagt die Psychologin. Foto: Kinderpuppe ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Es sieht nicht gut aus für den Angeklagten. Richterin Susanne Wetzel lässt anklingen, dass man die Aussage der jungen Zeugin, von ihrem Stiefvater missbraucht worden zu sein, für wahr hält. Schließlich wurde die Glaubwürdigkeit des Mädchens nun auch von einer Gutachterin bestätigt. Das heißt, Herr G. wird wegen einer Sexualstraftat verurteilt, die begangen zu haben er aber vehement leugnet. Die Zuschauer ficht das nicht an: Sie stehen weiter zu ihm. Sie glauben an seine Unschuld. 

Therapeut und Tyrann

Opfer oder Luder? Das entscheidende Wort dürfte in diesem Fall die Gutachterin haben. Kinderpuppe aus Gips ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Frau B. sagt aus im Vergewaltigungsprozess vor dem Hanauer Landgericht. Die ehemalige Mitarbeiterin des Angeklagten zeichnet das Bild eines Mannes, der tyrannische Züge mit einem Beschützerinstinkt verbindet. Aber von Übergriffigkeit habe sie nichts bemerkt. Dafür ergossen sich den lieben langen Tag über islamische Gebete aus den Lautsprechern der Praxis. 

Heilende Hände, schlimmer Finger?

Können Kinderaugen lügen? Und Tagebücher? Puerile Schaufensterpuppe aus Gips mit Gebrauchs-spuren, 20-er Jahre, farbig gefasst und bemalt. ©Raritäten-Shop, Wien

HANAU. Seit einem halben Jahr sitzt Herr G. in Untersuchungshaft. Er soll ein zwölfjähriges Mädchen, die Tochter seiner Lebensgefährtin, vergewaltigt haben. Die Anklage basiert allein auf den Aussagen des angeblichen Opfers. Herr G. beteuert seine Unschuld. Es ist ein Prozess, in dem es nur Verlierer geben kann.

Orgellehrer kauft sich frei

Der Musikus und das Mädchen – Ende der Vorstellung. Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack. ©Ghislain Cloquet, Szene aus „Mickey One“, 1964

HANAU. Gerechtigkeit ist manchmal schwer zu fassen. Da hat so einer mit jeder Menge entsprechender Vorstrafen ein junges Mädchen vergewaltigt und bekommt trotzdem Bewährung. Ist das noch hinnehmbar? Wägt man Für und Wider ab, und vor allem: Versetzt man sich in die Lage des Opfers, kann die Antwort nur lauten: Ja! Über das Ende eines langen Verfahrens.

Gerichtsshow ohne Quote

Nem‘ Se de Hände wech, junger Mann! Bei der Begegnung der Geschlechter sind Wort und Wille jedoch nicht unbedingt identisch. Abb.: Heinrich Zilles „Tanzendes Paar“

HANAU. Wieder der Herr B.! Wir erinnern uns: Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Vergewaltigung der Schülerin Tabea (damals 17) und Förderung der Prostitution zu drei Jahren und acht Monaten. Natürlich nahm er das nicht hin („Ich bin unschuldig; alles geschah einvernehmlich“) und ging in Berufung. Nun also die 6. kleine Strafkammer des Landgerichts. Auf seiner Seite diesmal: ein Fernsehjurist als Verteidiger. Das verspricht Unterhaltungswert.

Manuels Urteil wird teuer für Lisa

So ist das mit der Liebe in Zeiten von Sturm und Drang: Sie kann böse enden. Illustration aus dem „Werther“: Jean Blaise Simonet

HANAU. Vier Jahre für Manuel. Das sind 48 Monate für ein Stakkato an Straftaten, die er sich in ziemlich kurzer Zeit geleistet hat, von diversen Diebstählen – gemeinschaftlichen und schweren und räuberischen – über Computerbetrug in elf Fällen bis zur Vergewaltigung. Und nun also noch gefährliche Körperverletzung. Manuel ist neunzehn und das, was man einen Intensivtäter nennt. Da sind, seien wir ehrlich, vier Jahre eigentlich nicht viel.

Ende einer jungen Liebe

HANAU. Das ist die Geschichte von Lisa und Manuel. Ganz romantisch hat sie angefangen, mit heimlichen Treffen und Verlobung und allerlei Ringelpiez mit Anfassen (vor allem damit). Ziemlich dramatisch fand sie ihr abruptes Ende. Das letzte Kapitel wird nun vor der 2. Jugendkammer erzählt. Die Staatsanwaltschaft wirft Manuel versuchten Totschlag vor.

Im Taumel der Gefühle

Tausendmal berührt … Kinderzeichnung im Berlin der Jahrhundertwende, entdeckt und festgehalten vom großen Zille. ©Schirmer Mosel Verlag/Heinrich Zille

GELNHAUSEN. Ein junges Paar hat Sex. Hinterher fährt er sie nach Hause. Nicht mehr als eine spontane Affäre? Monate später zeigt sie ihn wegen Vergewaltigung an. Der Fall, mit dem sich das Gelnhäuser Schöffengericht nun befassen musste, zeigt die Schwierigkeiten der Wahrheitsfindung, wenn es um die Frage geht: Wann ist ein Nein ein Nein?

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