Volkeprozess

Noch mehr Befangenheit

Verstärken den Druck auf die Kammer: Verteidiger Fuchs, von Dahlen, Gärtner, Küster Foto ©Graber

HANAU. Die Affäre Zeyß weitet sich aus. Nachdem die Beisitzerin zwar lapidar erklärt hat, sie pflege – eine jahrelang geübte Praxis – während der Verhandlung „kammerinterne, verfahrensbezogene“ Notizen in ihren Laptop zu tippen, aber nicht mitteilte, um welches Dokument es sich denn gehandelt hat, an dem sie während der Beweisaufnahme im Volkeprozess arbeitete, gibt es nun einen neuen Befangenheitsantrag – diesmal gegen die gesamte Kammer. Das sind keine juristischen Finessen mehr. Das ist der Anfang eines Skandals.

Die Richterin und ihr Laptop

Sitzen in der Klemme: Kammervorsitzender Graßmück und Beisitzerin Zeyß. Foto: D. Graber

HANAU.  Ja, ja, wir wissen es: Frauen sind multitaskingfähig. Sie können, im Gegensatz zu Männern, mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. Aber gilt das auch im Strafprozess? In der Verhandlung wegen Mordes gegen Lutz H. und Banu D. hat sich die Beisitzerin, eine übrigens versierte Juristin, offenbar mit zwei Verfahren gleichzeitig befasst. Jetzt steht das dicke Ende bevor. 

Wenig Hoffnung für Frau D.

Lebenslänglich aufgrund eines am Telefon dahin genuschelten Satzes? Banu D. mit ihren Verteidigern Torsten Fuchs und Axel Küster in einer Verhandlungspause. Foto: Graber

HANAU. Vielleicht ist dies schon die Entscheidung: Die 1. Große Strafkammer hat Haftfortdauer für Banu D. angeordnet. Damit gibt das Gericht zu erkennen, dass es die Angeklagte für schuldig hält, den Speditionsunternehmer Jürgen Volke in der Nacht zum 8. September 2013 erschossen zu haben. Nun ja, die Beweisaufnahme ist noch nicht beendet. Aber schon jetzt zeichnet sich die erschreckende Tatsache ab, dass ein Mensch auch dann zur Höchststrafe verurteilt werden kann, wenn es keine stichhaltigen Beweise gegen ihn gibt. 

Durch Wald und Flur

Und ewig singen die Wälder … Romantische Landschaft im Hintertaunus. Hier ging Lutz H. dem Weidwerk nach. Und hier scheiterten die Fahnder bei der Verfolgung des Verdächtigen an den Bodenverhältnissen. Foto: Norbert Nagel, Mörfelden-Walldorf

HANAU. Im Fall Volke hatte die Polizei von Anfang an auf Lutz H. als Hauptverdächtigen gesetzt und das Alibi seiner Lebensgefährtin keiner Überprüfung für wert befunden. Und selbst jetzt, nachdem Banu D. längst vom Zeugenstuhl auf die Anklagebank wechselte, gibt sie sich nicht sonderlich Mühe, das Versäumte nachzuholen. Vielleicht ist das der eigentliche Skandal in dieser zunehmend unappetitlichen Geschichte.

Willi woas nix

HANAU. Bisweilen haben auch Mordprozesse ihre komische Seite. Wenn Originale in den Zeugenstand treten zum Beispiel. Typen wie der Willi aus Eisentratten. Willi ist der beste Freund des Angeklagten. Er weiß nicht viel zur Sache zu sagen, nur eins weiß er sicher: „Er woar’s net.“

Mein Bruder, das Biest

Mörder im Janker? Obschon er 2016 im Besitz der Waffe war, wurde es im Verlauf der Beweisaufnahme immer unwahrscheinlicher, dass Lutz H. selbst die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Es ist sogar fraglich, ob er überhaupt an der Tat beteiligt war. ©D. Graber

HANAU. Der Fall Volke ist eigentlich die Geschichte einer Familie. Und wie bei den allermeisten Familiengeschichten gibt es da die  Erfolgreichen und die Verlierer, die Starken und die Schwachen, Guten und die Bösen. Die handelnden Personen in entsprechende Kategorien einzuordnen, aber ist selten einfach. So auch hier. 

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