Mord

Ein Prozess mit Gschmäckle

Auf der Alm, da gibt's koa Sünd'. Na, a bisserl getratscht ham wern’s scho, über den Herrn Doktor und die hübsche Frau an seiner Seite. Abb.: Metro Verlag/Österreichische Nationalbibliothek, aus dem Band „Willkommen in Österreich“

HANAU. Wieder mal eine längere Pause im Volkeprozess. Am 19. September geht’s weiter vor der 1. Großen Strafkammer. Zuletzt sagte Kriminalhaupt­kommissar Carsten D. vom Bundeskriminalamt aus. Er berichtete als Zeuge über den Einsatz des Verdeckten Ermittlers. Es sieht nicht gut aus für Lutz H., der immerhin über die Mordwaffe verfügte, aber nicht selbst geschossen haben will. Aber wer dann?

Heißes Eisen unterm Holz

„Der Wald legt das Lauschen nahe“ (Hermann Hesse), bisweilen aber auch das Suchen: An einem Holzstapel deponierte Lutz H. für Errol die Tatwaffe. Foto: Graber

HANAU. Staatsanwalt Pleuser punktet: VE Errol berichtet über seinen Waffendeal, über konspirative Treffen und einen perfiden Plan. Fazit: Zwei Männer spielen Unterwelt, und ganz nebenbei liefert sich Lutz H. selbst ans Messer. Banu D. dürfte nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen aus dem Schneider sein. Aber der Prozess ist mit dem 28. Verhandlungstag ja noch lange nicht am Ende. 

Der Fahnder lässt die Puppen tanzen

Sie sind jung und brauchen das Geld: Die Damen im „Salon de la rue des Moulins“ warten auf die Gelegenheit für einen Private Dance (Henri de Toulouse Lautrec, 1894)

HANAU. Errol ohne Ende. Der Verdeckte Ermittler des Bundeskriminalamtes erzählt weiterhin Details aus seinem fröhlichen Beisammensein mit Lutz H. und Banu D., auch von seinem Trip nach Slowenien und dem feuchtfröhlichen Besuch im Nachtclub Belvedere. Es dient zwar nicht der Wahrheitsfindung, aber wenigstens ist ein bisschen Pikanterie dabei. 

Deftiges aus der Indizienküche

Erstes Haus am Platz: Im „Kohlmayr’s“ zu Gmünd zeichnete Errol heimlich Gespräche mit den Zielpersonen auf. Von hier aus ging’s zur Herrenpartie nach Slowenien ©hotel-ami.de

HANAU. Im Prozess um den Mord an Jürgen Volke wird es immer skurriler. Mit vielen belastenden Bemerkungen hatte der unter Erfolgsdruck stehende Verdeckte Ermittler Errol in seinen Berichten an die Vorgesetzten versucht, aus offenbar konstruierten Verdachtsmomenten gegen Banu D. und Lutz H. ein Indiziennetz zu knüpfen. Nun erzählte VE3 im Zeugenstand, wie er mit dem Verdächtigen eine Sause nach Slowenien machte.

Das Gericht zieht sich zur Erholung zurück

HANAU. Pause im Volkeprozess. Noch bis Monatsende. Das Gericht macht Urlaub. Die Regeln für Unter­brechun­gen in Mammutver­fahren sind eine Wissen­schaft für sich. Da müssen sich selbst Kammer­vorsit­zende bisweilen in den Paragra­phen 229 StPO vertiefen. Aber darf sich die Justiz in die schönsten Wo­chen des Jahres verabschieden, wäh­rend zwei Angeklagte in U-Haft sit­zen? Ja, darf sie. Immerhin besteht nach wie vor dringender Tatverdacht. Zeit also für eine Zwischenbilanz nach zwei­und­zwanzig Pro­zesstagen.

Good Cops, Bad Cops

Hielt seine Mimik während des Prozesses eingefroren, schlägt nun aber artig die Hände vors Gesicht: Dawit W. ist gar kein Minderjähriger mehr. Donnerwetter, wer hätte das gedacht! Abb.: Graber

HANAU. Dawit W. kriegt neuneinhalb Jahre, zeigt keine Reue, geht aber in die Revision. Die Richterin macht die Polizei fertig, die Staatsanwaltschaft ist verwundert, das Opfer bleibt verschwunden, ein Gutachter redet dummes Zeug, und am Ende jenes kuriosen Verfahrens um eine bizarre Tat bleibt folgendes Resümee: In der Flüchtlingsfrage wird geheuchelt und gelogen, was das Zeug hält, und viele verdienen prächtig daran, auf Kosten der Steuerzahler, versteht sich. 

Romantik mit scharfen Schüssen

Da lässt sich nicht genug warnen: Erotische Praktiken, bei denen Schusswaffen benutzt werden, können unangenehme Folgen haben. Abb.: Pulp-Magazin, USA, vermutlich 50er Jahre

HANAU. Wie im wirklichen Leben geht es auch im Volkeprozess hin und wieder um zwischenmenschliche Interaktion. Inzwischen drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass so manches, was Eingang in die Ermittlungsakten fand, eher Produkte der Phantasie sind. Und wenn Sex und Schusswaffen zusammen kommen, da gibt's kein Halten mehr.

Holiday am Wörthersee

„Wo das Leben Freude macht / Steht  ein Schloss im Sonnenschein / Wellen aus Türkis /  Das ist das Paradies“, sang Roy Black. Recht hatte er. Relais & Châteaux Hotel Seefels in Pörtschach ©RELAX Guide & Magazin

HANAU. Um Lutz H. des Mordes an seinem Schwager zu überführen, scheute die Polizei weder Kosten noch Mühen. So spendierte der Verdeckte Ermittler Errol dessen Lebensgefährtin Banu D. einen Urlaub im ersten Haus am Wörtersee – auf Steuerzahlers Kosten, versteht sich. Ein Wellnessaufenthalt all inclusive, und zwar mit Begleitung. Na, wer reiste da wohl mit? Richtig geraten: die Verdeckte Ermittlerin Ayse. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Two to the chest

Hassausbruch beim Anblick des Opfers (rechts): Moderator Rudi Cerne präsentierte den Mordfall Jürgen Volke in „Aktenzeichen XY... ungelöst". ©ZDF

HANAU. An markigen Sprüchen war Lutz H., angeklagt wegen Mordes an seinem Schwager Jürgen Volke, nie verlegen. „Zwei in die Brust, eine in den Kopf“ lautet einer. Ist aber keineswegs eine Rechenaufgabe für Berufskiller, sondern eine (tödliche) Verteidigungstaktik amerikanischer Polizisten für den Notfall, bekannt unter der Bezeichnung „Mozambique Drill“. Im Gespräch mit den Verdeckten Ermittlern hatte Lutz H. seinerzeit seine Version des Tathergangs zum Besten gegeben. 

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