Mord

Fall Klock: Was noch zu sagen wäre

Kommentar von Dieter A. Graber

HANAU. Die gute Nachricht zum Ende des Klockverfahrens: Justiz ist nicht korrumpierbar. Sie lässt sich durch massive Meinungsmache in Medien nicht vom richtigen Weg zur Urteilsfindung abbringen. Notwehr ist Notwehr, auch wenn von der Nebenklage munitionierte TV-Sender die Rechtslage anders sehen. Es ist halt nicht jeder, der über einen Fall berichtet (und meist nur zweimal zur Verhandlung erscheint, nämlich zur Anklageverlesung und zur Urteilsverkündung), auch ein rechtskundiger Journalist. Und noch etwas: Nebenklage ist eine juristische Disziplin, die nicht jeder Anwalt beherrscht.

 

Diesmal eine klitzekleine Schuld

Wahrheitsfindung unter erschwerten Bedingungen: Klaus Dieter B. (links) mit Verteidigern Fuchs und Scherzberg, sein Sohn Claus Pierre mit Verteidiger Kühne-Geiling vor der 2. Große Strafkammer ©Graber

HANAU. Nein, eine Überraschung war das nicht: Die Angeklagten im Klockprozess wurden erneut vom Vorwurf des Mordes, bzw. des Totschlags freigesprochen. Das Resümee am Ende dieses Verfahrens kann nur lauten: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das Geschehen auf der Main River Ranch etwas anderes als Notwehr gewesen sein könnte! An Klaus-Dieter B. bleibt aber dennoch eine winzige Schuld hängen: Verstoß gegen das Waffengesetz. Im Klartext: Benutzen durfte er die Walther P.38 schon, um seinem Sohn in jener Notsituation beizustehen, nur besitzen halt nicht.

 

Gezeichnete Notwehr

HANAU. Überraschung im Klockprozess: Claus Pierre B. hat den Ablauf des tödlichen Ge­schehens auf der Main River Ranch schriftlich und bildlich dargestellt, offenbar schon ge­raume Zeit bevor er in der Unter­suchungshaft seine ausführliche „Chronik“ anfertigte. Allerdings gelangte diese Einlassung nie in die Ermittlungsakten – offenbar ein Versehen seines Verteidigers. Aber auch der 1. und 2. Straf­kammer sowie der Staatsanwalt­schaft war dies bisher nicht auf­gefallen, obwohl das psychologi­sche Gutachten auch schon im ersten Prozess darauf Bezug nahm.

 

Lebenslänglich light für Herrn M.

Er fand sein Urteil „überraschend“, das Gros der Prozessbeobachter nicht: Dirk M. mit seinen Verteidigern Matthias Reuter und Catrin Runge. Foto: Graber

HANAU.  Die 1. Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts verurteilte den ehemaligen Rechtsanwalt Dirk M. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sie sieht es als erwiesen an, dass er seine Frau Petra mit Spiritus übergossen und angezündet hat. Dabei hätte es für den Angeklagten noch schlimmer kommen können: Auf die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verzichtete das Gericht.

 

Seiten