Mord

Wenig Hoffnung für Frau D.

Lebenslänglich aufgrund eines am Telefon dahin genuschelten Satzes? Banu D. mit ihren Verteidigern Torsten Fuchs und Axel Küster in einer Verhandlungspause. Foto: Graber

HANAU. Vielleicht ist dies schon die Entscheidung: Die 1. Große Strafkammer hat Haftfortdauer für Banu D. angeordnet. Damit gibt das Gericht zu erkennen, dass es die Angeklagte für schuldig hält, den Speditionsunternehmer Jürgen Volke in der Nacht zum 8. September 2013 erschossen zu haben. Nun ja, die Beweisaufnahme ist noch nicht beendet. Aber schon jetzt zeichnet sich die erschreckende Tatsache ab, dass ein Mensch auch dann zur Höchststrafe verurteilt werden kann, wenn es keine stichhaltigen Beweise gegen ihn gibt. 

Durch Wald und Flur

Und ewig singen die Wälder … Romantische Landschaft im Hintertaunus. Hier ging Lutz H. dem Weidwerk nach. Und hier scheiterten die Fahnder bei der Verfolgung des Verdächtigen an den Bodenverhältnissen. Foto: Norbert Nagel, Mörfelden-Walldorf

HANAU. Im Fall Volke hatte die Polizei von Anfang an auf Lutz H. als Hauptverdächtigen gesetzt und das Alibi seiner Lebensgefährtin keiner Überprüfung für wert befunden. Und selbst jetzt, nachdem Banu D. längst vom Zeugenstuhl auf die Anklagebank wechselte, gibt sie sich nicht sonderlich Mühe, das Versäumte nachzuholen. Vielleicht ist das der eigentliche Skandal in dieser zunehmend unappetitlichen Geschichte.

Betrunkener Major im Porsche

Petra M. schaut auf zu ihrem Mann. Er hat ein Weinglas in der Hand. Ihre Nase ist verunstaltet, Folge diverser körperlicher Auseinandersetzungen. Einmal war deshalb die Polizei im Haus. Eine Strafanzeige wegen häuslicher Gewalt hat sie freilich nie erstattet. Vielleicht aus Scham. Foto: privat

HANAU.  Warum reiste Dirk M. wiederholt in die Schweiz? Des Rätsels Lösung könnte „Geldwäsche“ lauten. Die Staatsanwaltschaft teilte im Mordprozess vor der 1. Großen Strafkammer mit, dass ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten laufe. Nun, es würde ins Bild passen, jetzt, wo Richter Graßmück das Vorstrafenregister von Dirk M. verlesen hat. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir uns daran,  dass sein „Freund“ Erkan G. zu Petra M., dem späteren Opfer, gesagt haben soll: „Weißt du überhaupt, wer euch finanziert?“

Rätselhafte Botschaft aus der Schweiz

Schlagerweisheiten für den Hausgebrauch: „Drum sei auch nie betrübt, wenn dein Schatz dich auch nicht mehr liebt. Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den‘s gibt.“ ©Edition Metropol Musikverlage GmbH

HANAU. Am Abend des 21. März war Herr M., aus Frankfurt kommend, direkt nach Hause in die Hanauer Friedrichstraße gefahren, nicht, wie er vorgegeben hatte, zuerst nach Dörnigheim, um sich mit einem Bekannten zu treffen. Daraus folgt: Er muss seine sterbende Frau in der Wohnung vorgefunden haben. Das ändert einiges. Nicht zum Guten für den Angeklagten. Und dann kommt da noch dieser seltsame „Freund“ in den Zeugenstand.

Blut an der Wand

Die Angeklagten und ihre Verteidiger (v. l.): Torsten Fuchs, Vater Klaus-Dieter B., verdeckt von Thomas Scherzberg, sein Sohn Claus Pierre im Gespräch mit Anwalt Karl Kühne-Geiling  Foto: Graber

HANAU. Der zweite Klockpro­zess dürfte durch Gut­achter entschieden werden. Es gibt keine Zeugen des Vorfalls vom 6. Juni 2014 auf dem Ge­lände der Main River Ranch bei Dörnigheim. Und seit dem Frei­spruch der beiden Angeklagten im August 2015 haben sich auch keine neuen Erkenntnisse erge­ben, die den Hergang in einem anderen Licht erscheinen lassen könnten. Nun hat die Gerichts­medizinerin Lena Bunzel noch einmal die Erkenntnisse vorge­tragen, die sich aus den Spuren am Ort des Geschehens herleiten lassen.

Willi woas nix

HANAU. Bisweilen haben auch Mordprozesse ihre komische Seite. Wenn Originale in den Zeugenstand treten zum Beispiel. Typen wie der Willi aus Eisentratten. Willi ist der beste Freund des Angeklagten. Er weiß nicht viel zur Sache zu sagen, nur eins weiß er sicher: „Er woar’s net.“

Verdächtige Spuren im Sand

Wir wissen es vom König der Metaphern: Aus dem großen Schlaf gibt es kein Erwachen mehr, beim Dösen hingegen schon. Taschenbuchausgabe von Chandlers Meisterwerk ©Penguin/Graber

HANAU. Also gut. Nur gedöst hat sie, die Zeugin Sch., nicht geschlafen. Darauf legt sie Wert. Und die beiden Knallgeräusche, Schüsse vermutlich, habe sie deutlich vernommen, ebenso wie den Klingelton ihres Mobiltelefons, woraufhin sie nach Hanau gefahren sei am Mittag des 6. Juni 2014. Aber zu diesem Zeitpunkt müssen die Klocks noch am Leben gewesen sein. 

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