Mord

Viel Geld für eine alte Knarre

Schießeisen von anno Tobak: Die Pistole wurde von dem amerikanischen Büchsenmacher John Moses Browning zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts für die belgische Fabrique Nationale d’Armes de Guerre (FN) entwickelt. Sie kann mit bis zu neun Patronen geladen werden.

HANAU.  Der Aussage des verdeckten BKA-Ermittlers wird im Volkeprozess die größte Bedeutung zukommen, gibt es doch bisher zwar Mutmaßungen, aber keinen Beweis für die Schuld der Angeklagten. Insbesondere im Fall der Banu D. hat sich bisher nichts ergeben, was auf eine Tatbeteiligung hindeuten könnte. Der Einsatz von „Errol“ (Tarnname) wirft aber auch eine Menge Fragen auf. Zum Beispiel, warum für die Tatwaffe die enorme Summe von 30.000 Euro geboten worden war. Und warum Lutz H., sollte er der Täter gewesen sein, sie nicht rechtzeitig beseitigt hatte.

Was gab’s noch am 13. Verhandlungstag? Die Beziehung der Angeklagten ist endgültig Geschichte. Das geht aus einem Brief von Banu D. hervor, den das Gericht verlas. Ein bemerkenswertes Schreiben übrigens.

Pfusch am Recht

HANAU/KARLSRUHE. Da lief der scheidende Gottvater der Rechtsprechung aber noch mal zu ganz großer Form auf. Unter Vorsitz von Thomas Fischer verriss der 2. BGH-Senat das Klockurteil vom August 2015 und gab es den Hanauer Richtern nun schriftlich: Lauter Rechtsfehler wären ihnen unterlaufen. Sonst hätte das Ergebnis ihrer Beweisaufnahme anders ausgesehen. Zum Unterschreiben ist Fischer übrigens nicht mehr gekommen. Krankheitshalber, wie es heißt.

Flinker Mörder in Größe 38

HANAU. Es fallen vier Schüsse in der Hanauer Gallienstraße. Dann läuft jemand davon. Eine Gestalt mit Kapuze überm Kopf. Es könnte der Mörder gewesen sein. Vieles lässt darauf schließen. Mehrere Anwohner haben ihn gesehen. Ihren Aussagen dürfte im Prozess um den Tod des Unternehmers Jürgen Volke einige Bedeutung zukommen. Allerdings widersprechen sie sich in wichtigen Details.

Böser Onkel im Verdacht

Banu D. auf dem Weg zur Verhandlung. Rechts die Verteidiger Fuchs (vorn) und von Dahlen. ©Graber

HANAU. Sicher ist: Es wird ein Mammutverfahren. Der Prozess um den Mord an dem Hanauer Unternehmer Jürgen Volke vor dreieinhalb Jahren dürfte jedoch nicht einmal mit dem vielleicht im Spätsommer zu erwartenden Urteilsspruch zu Ende sein. Zu schwierig ist die Materie, zu unglücklich gestaltete sich der Start, und ob der Einsatz eines verdeckten Ermittlers, der den Fahndungserfolg schließlich herbeiführte, überhaupt gesetzeskonform war, na ja, da gibt es noch viel Klärungsbedarf. Schlussendlich wird der BGH wieder ran müssen.

Antithetisch in die neue Runde

Banu D. in ihrer neuen Rolle als Angeklagte, umgeben von den Verteidigern Fuchs, Gärtner, Küster (v. l.) ©Dieter Graber

HANAU. Der Neuauftakt im Volkeprozess war nach der Anklageverlesung schon wieder zu Ende: Die Verteidiger von Banu D. monierten, das ihnen nicht alle Ermittlungsakten vorlägen. Sie bräuchten mehr Zeit zur Einarbeitung. Die sollen sie haben, entschied die 1. große Strafkammer: In vierzehn Tagen erst wird’s weitergehen in dem Verfahren um den Mord an dem Hanauer Unternehmer Jürgen Volke, der am 7. September 2013 in seinem Haus erschossen worden war.

BGH drückt Reset-Taste

Müssen noch mal ran: Klaus-Dieter B. (links) und sein Sohn Claus Pierre, dazwischen die Verteidiger Scherzberg und Kühne-Geiling. Foto ©Graber

KARLSRUHE/HANAU. Also doch! Der Fall Klock muss neu aufgerollt werden, entschied der Bundesgerichtshof. Er gab dem Revisionsantrag der Staatsanwaltschaft statt und hob die Freisprüche des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 auf. Das Urteil weise Lücken, Ungenauigkeiten und missverständliche Formulierungen auf, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Fischer. Die Angeklagten bleiben jedoch zumindest vorerst auf freiem Fuß. Der Hanauer Oberstaatsanwalt Jürgen Heinze erklärte unterdessen, einstweilen keinen Antrag auf Erlass eines Haftbefehls stellen zu wollen.

BGH geht in die Verlängerung

HANAU/KARLSRUHE. Nun doch erst nächste Woche wird die Entscheidung des Bundesgerichtshofs über eine Revision im Fall Klock verkündet. Zwar befasste sich der 2. Strafsenat bereits in öffentlicher Verhandlung mit den Anträgen von Staatsanwaltschaft, Nebenklägern und der Verteidigung. Über eine Stunde lang trugen die Parteien ihre jeweilige Sicht auf das bemerkenswerte Urteil des Hanauer Landgerichts vom 5. August 2015 vor (Freisprüche wegen Notwehr, bzw. Nothilfe). Am Abend hieß es dann, entgegen einer ersten Ankündigung für den Vormittag, der Termin sei auf den 1. Februar verschoben worden. Prozessbeobachter schlussfolgern daraus, dass sich der 2. Senat noch genauer in den Fall einarbeiten will. Dazu auch unser Kommentar.

In der Falle

HANAU. Überraschende Wende im Mordfall Volke: Die Lebensgefährtin des Angeklagten wurde im Gerichtssaal wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen Mordes verhaftet. Banu D. hatte in den zurückliegenden Prozesstagen als Zeugin ausgesagt und sollte auch heute wieder gehört werden. Die bisherige Beweisaufnahme verstärkt vor dem Hintergrund neuer, aber auch bereits ermittelter Indizien die Vermutung, dass die Tat von Lutz B. und Banu D. gemeinsam geplant und von ihr am 7. September 2013 ausgeführt wurde.

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