Drogen

Happy End mit Paragraph 64

HANAU. Strafrechtler wissen, was gemeint ist, wenn von diesem Paragraphen die Rede ist: Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Im Fall von Martik S. hat die 1. Große Strafkammer so entschieden. Es hätte schlimmer kommen können für ihn. Mit dem Paragraphen 63 zum Beispiel. Insofern hat diese Geschichte ein Happy End. HANAU. Strafrechtler wissen, was gemeint ist, wenn von diesem Paragraphen die Rede ist: Einweisung in eine Entziehungsanstalt. Im Fall von Martik S. hat die 1. Große Strafkammer so entschieden. Es hätte schlimmer kommen können für ihn. Mit dem Paragraphen 63 zum Beispiel. Insofern hat diese Geschichte ein Happy End. 

Der Mann mit der Nadel

Beutezüge über die Parkplätze der Stadt: Vor Herrn D. war kein Auto sicher. © Ed Allen, Coverentwurf  für Penguin Books

HANAU.  Dietrich D. bestritt seinen Lebensunterhalt mit verschiedenen Straftaten, vorwiegend Diebstählen aus Kraftfahrzeugen. Er benutzte dazu unter anderem eine sogenannte Anreißnadel, das ist ein Werkzeug mit gehärteter Spitze, gut geeignet, um Seitenscheiben schnell und lautlos zu zertrümmern. Dietrich D. ging planvoll zu Werke. Er gibt an, die Beute umgehend verscherbelt zu haben, um sich Drogen kaufen zu können. Offenbar hängt er auch an der Nadel.

Messer im Kopf

HANAU. Am 17. November 2016 mittags sticht der rauschgiftabhängige Martik S. einem mutmaßlichen Drogenhändler auf einer Kinzigbrücke ein Klappmesser in den Kopf und flüchtet. Das Motiv ist rätselhaft. Er gibt an, aus Zorn gehandelt zu haben, weil … der Dealer einem Mädchen, das sich in der Nähe aufhielt, angeblich Drogen geben wollte, er es zu missbrauchen versucht habe, alles nur ein Irrtum war. Nun geht es für Martik S. um die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Nur dissozial, mehr nicht

HANAU. Am Ende kam das raus, was am Anfang schon gesagt wurde: Soufiane J. ist „nur“ ein gewöhnlicher Krimineller, der sich halt nimmt, wie‘s ihm beliebt. Nicht die Droge hat ihn zur Straftat gedrängt, nicht der Alkohol, der Tablettenkonsum nicht und ebenso wenig die Spielsucht. Er war seine dissoziale Persönlichkeit. Na also!

Gerichtsnovela mit bissigem Anwalt

Es gibt Leute, denen man möglichst nicht begegnen möchte, weder am helllichten Tag auf einem Spielplatz noch nachts an der Tanke. Bisweilen haben sie ein Messer dabei. Abb.: Szene aus irgendeinem „Halloween“-Film von John Carpenter

HANAU. Ja, es war ein starkes, ein emotionales Plädoyer, das Verteidiger Peter Müller im Prozess gegen Soufiane J. hielt. Es war der letzte Versuch, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant ein Sklave der Drogen war, süchtig nach Kokain und Sportwetten. Es war so gut, dass der Angeklagte schließlich in Tränen ausbrach. Es war besser als Fernsehen – auf jeden Fall so ähnlich.

Ein Freund, ein guter Freund …

Für diese drei Freunde, die Filmgeschichte schrieben, gab es nur zwei Themen: Frauen und Autos. Drogen? Niemals! ©Ufa („Die Drei von der Tankstelle“)

HANAU. Soufiane J. und kein Ende: Der Hanauer Strafrechtler Peter Müller zieht alle Register, um seinem Mandanten eine langjährige Haftstrafe zu ersparen. Aber wenn die Hoffnung wirklich zuletzt stirbt, so liegt sie nun doch schon im Koma. Auch die beiden Freunde des Angeklagten, die nun als Zeugen für Soufianes angebliche Drogensucht auftraten, werden daran mit ihren Aussagen nicht viel gerändert haben.

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Da kriegste was gelernt!

Bei diesem Herrn wären Drogen sicherlich leicht nachweisbar gewesen. Er segnete 1970 das Zeitliche. Seine Musik ist unsterblich. ©Rockstarwallpapers

HANAU. Im Strafprozess geht es nicht nur um die hohe Kunst der Wahrheitsfindung. Manchmal tauchen die Beteiligten und das werte Publikum auch ein in die wunderbare Welt des Wissens. Hätten Sie zum Beispiel gedacht, dass Japaner die Haarwuchsweltmeister sind und bei Blondinen, ob echten oder falschen, Drogen im Haupthaar schwerer nachzuweisen sind als bei Leuten mit schwarzem Schopf? Tja gehste zur Verhandlung, kriegste was gelernt.

Haarige Sache

HANAU. Die Geschichte von Soufiane J., dem miesen kleinen Räuber, der Schüler auf einem Spielplatz überfiel und sich von einer couragierten Tankstellenkassiererin in die Flucht schlagen ließ, zeigt einmal mehr den Zustand unserer Justiz: Vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, was der Bundesgerichtshof dem Gericht in der Revision unter die Nase reiben könnte, wird begutachtet, was das Zeug hält. Nun geht es sogar um die Frage, wie schnell die Haare des Angeklagten wachsen

Vampir auf Koks

Beißt sich so durch: Blutsauger kommen in den besten Familien vor. ©Friedrich-Murnau-Stiftung

HANAU. Wenn’s schlecht läuft für Soufiane J., 27, muss er für sieben oder acht Jahre in den Bau. Drei Raubüberfälle mit einem Messer sind halt kein Pappenstiel. Deshalb macht Soufiane L. auf schwer drogensüchtig. Er rechnet sich „verminderte Schuldfähigkeit“ aus. Vielleicht ist er aber auch nur ein fauler Hund, der seine eigene Familie beklaut, erpresst, terrorisiert. Zu diesem Schluss könnte man kommen, nachdem seine Eltern und Geschwister ausgesagt haben.

Schräge Vögel aus besseren Kreisen

Abschleppen und abgeschleppt werden: In den Bars und Clubs ist auch die Drogenszene exklusiver. Franz. Satire-Magazin, 20-er Jahre

HANAU. Miese Eckensteher, die Drogen an zerlumpte Gestalten für ein bisschen Hartgeld verhökern, das einer Oma aus dem Portemonnaie gemopst wurde, sind das eine Gesicht der Rauschgiftszene. Das andere sind junge, geschniegelte Typen. Sie tragen teure Klamotten, haben gute Jobs und ordern Cannabis und Koks im Darknet. Man trifft sie in den Clubs und Bars der Städte, wo sie ihre Geschäfte machen, Dealer und Konsumenten in einer Person. Typen wie Michael und Kevin. Aber weniger zum Kotzen sind die auch nicht.

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