Drogen

Schlappe für den Staatsanwalt

HANAU. Die 2. Große Straf­kammer des Landgerichts verur­teilte fünf junge Männer im Fall des Toten vor der Kreisrealschule Gelnhausen wegen unterlassener Hilfeleistung zu milden Strafen – vorwiegend Verwarnungen mit Arbeitsauflagen. Ein Tötungsdelikt vermochte die Strafkammer – anders als die Staatsanwaltschaft – aber nicht zu erkennen.

 

Tödliche Tüte

Wundertüte aus Kindertagen: Was da wohl drin ist? Es gab sie dereinst für zehn Pfennig, und sie enthielt allerhand unnützes Zeug. Das ist heute nicht anders in Kifferkreisen, die Überraschung kann aber üble Folgen haben. ©Doc.Heintz

HANAU. Vor der Jugendkammer des  Hanauer Landgerichts stehen fünf junge Männer. Sie hatten mit einem 28-Jährigen nachts an der Kreisrealschule in Gelnhausen einen Joint geraucht, plötzlich war er zusammengebrochen. Aber sie holten keine Hilfe, machten sich aus dem Staub – er starb. Ursprünglich hätte der Fall vor dem Amtsgericht verhandelt werden sollen, das OLG entschied anders auf Antrag der Staatsanwaltschaft. 

 

Juristenzwist um Toten vor Schule

HANAU. Die Geschichte ist tragisch: Vor der Kreisrealschule in Gelnhausen starb ein Mann, nachdem er von einem Joint probiert hatte, der ihm dort von einer Gruppe junger Leute angeboten worden war. Es handelte sich um „Spice“, das damals nicht einmal unter das Betäubungsmittelgesetz fiel. Aber das Opfer war betrunken gewesen, wodurch die Droge eine tödliche Wirkung entfaltet hatte. Im Gegensatz zum Hanauer Landgericht sieht das OLG Frankfurt darin ein Totschlagsdelikt. War es sogar Mord?

 

Die Angst des Marders

Was Sie schon immer über Drogenpartys wissen wollten, sich aber nie zu fragen getrauten … und wohin das alles führt, zeigt z. B. der Film „Marihuana“ (1936) oder das wahre Leben eines Junkies wie Dietrich D. © Roadshow Attractions Inc.

HANAU. Der Marder (Martes foina) ist ein putziges Kerlchen, das die Nähe des Menschen sucht und sich bisweilen an den Gummiteilen von Automotoren gütlich gut. Umgangssprachlich bezeichnet man zweibeinige Bösewichte, die Fahrzeuge aufbrechen, um sie zu entwenden oder auszuräumen, ebenfalls als „Marder“. Sie sind nicht putzig. Sie sind bisweilen süchtig. Wie Dietrich D., der jetzt vom Landgericht verurteilt wurde (hier und hier). Sein Leben ist ein einziges Fiasko. 

Kein Raub beim Olli daheim

Ein Raub zeichnet sich nicht nur durch Einsatz gewaltsamer Mittel aus, wie er hier Harold Lloyd in „An Eastern Westerner“ (1920, ©Pathé) widerfährt, sondern auch durch den „finalen Zusammenhang“. Und der war in Ollis Fall halt nicht da.

HANAU. Nicht gut gelaufen für Olli. Gar nicht gut. Erst haben sie ihn zuhause überfallen und erheblich verletzt, obwohl er nur nett sein wollte zu Leyla und ihren Bekannten. Und jetzt steht er auch noch als Drogenhändler da, der im Prozess wiederholt als „Angeklagter“ bezeichnet wird. Obwohl er doch der Geschädigte ist. Und dann kommt raus: Es war gar kein Raub. 

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Voll schuldfähig trotz Sucht?

Wie die Droge ihr Opfer beherrscht: 1965 veröffentlichte das Life Magazine die Story „The World of Needle Park“, eine Geschichte zweier Menschen an der Nadel. ©Bill Eppridge, Life Magazine

HANAU. Für den Automarder und Seriendieb Dietrich D. könnte es eine weitere letzte Chance geben. Vielleicht wird er ja noch einmal in eine Entziehungsanstalt eingewiesen. Die Staatsanwältin ist dafür. Dann müsste er von seiner Strafe vermutlich nur einen kleinen Teil absitzen. Obwohl es schon zweimal nicht geklappt hat mit dem Entzug.

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