Drogen

Vampir auf Koks

Beißt sich so durch: Blutsauger kommen in den besten Familien vor. ©Friedrich-Murnau-Stiftung

HANAU. Wenn’s schlecht läuft für Soufiane J., 27, muss er für sieben oder acht Jahre in den Bau. Drei Raubüberfälle mit einem Messer sind halt kein Pappenstiel. Deshalb macht Soufiane L. auf schwer drogensüchtig. Er rechnet sich „verminderte Schuldfähigkeit“ aus. Vielleicht ist er aber auch nur ein fauler Hund, der seine eigene Familie beklaut, erpresst, terrorisiert. Zu diesem Schluss könnte man kommen, nachdem seine Eltern und Geschwister ausgesagt haben.

Schräge Vögel aus besseren Kreisen

Abschleppen und abgeschleppt werden: In den Bars und Clubs ist auch die Drogenszene exklusiver. Franz. Satire-Magazin, 20-er Jahre

HANAU. Miese Eckensteher, die Drogen an zerlumpte Gestalten für ein bisschen Hartgeld verhökern, das einer Oma aus dem Portemonnaie gemopst wurde, sind das eine Gesicht der Rauschgiftszene. Das andere sind junge, geschniegelte Typen. Sie tragen teure Klamotten, haben gute Jobs und ordern Cannabis und Koks im Darknet. Man trifft sie in den Clubs und Bars der Städte, wo sie ihre Geschäfte machen, Dealer und Konsumenten in einer Person. Typen wie Michael und Kevin. Aber weniger zum Kotzen sind die auch nicht.

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Mustafa ist dann mal weg

HANAU/ERLENSEE. Wenn es zutrifft, was in der Anklageschrift steht, ist Mustafa Horst M. beileibe kein kleiner Fisch im großen Drogenteich. In seiner Wohnung fand die Polizei jede Menge Stoff. Das war im Herbst 2015. Nun hätte ihm der Prozess gemacht werden sollen. Dazu kam es aber nicht: Mustafa Horst M. zog es vor, seine Teilnehme an der Verhandlung kurzfristig abzu-sagen. Wegen Urlaub.

Kiffen als Lebensinhalt

HANAU. Almedina war ein schwieriges Kind. Aus ihm wurde eine noch schwierigere junge Frau. Eine Wandlerin zwischen zwei Sphären – der glitzernden Welt des Konsums in Deutschland und dem bodenständigen, einfachen Leben ihrer alten Heimat Bosnien, in die der Vater sie zurückgeschickte hatte. Es sollte eine „Erziehungsmaßnahme“ sein. Eines Tages nahm sie ein Messer, um ihn umzubringen. Eine Tat „aus heiterem Himmel", wie man so sagt. Nur, dass der Himmel über Almedina nie wirklich heiter war.

Top-Koch im Kiez

HANAU. Was hätte aus ihm werden können! Ein Superstar am Herd vielleicht, aber gelandet ist er in einem trostlosen Hanauer Kiez, und jetzt sitzt er auf der Anklagebank wegen einer Drogengeschichte, die übel ausgehen könnte. Bei ihm wurden nämlich auch Waffen gefunden. Für so etwas gibt es keine „Sterne“, sondern Jahre – hinter Gittern.

Großer Kokser vor dem Herrn

1862 begann die Pharmafirma Merck mit der Produktion von Kokain. Ein Allzweckmittel gegen allerlei Gebresten. Heute lässt es sich auch zur Strafmilderung verwenden ©Merck Corporate History

HANAU. Der Satz „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ wird Konrad Adenauer zugeschrieben. Er lässt sich bei vielen Gelegenheiten anwenden. Auch im Gericht. Zum Beispiel, wenn ein Gutachter innerhalb weniger Tage bei ein und demselben Probanden zu zwei völlig gegensätzlichen Ergebnissen kommt. Und noch ein Zitat: „Psychoanalyse ist mehr eine Leidenschaft als eine Wissenschaft.“ Ist von Karl Kraus. Leidenschaft aber darf alles. Ist von mir.

Kino in Saal 216

HANAU. Schwarzer Tag für Soufiane J. (27), der sich vor dem Landgericht verantworten muss, weil er Schüler auf einem Spielplatz, einen Passanten sowie eine Tankstelle überfallen haben soll. Der renommierte Gutachter Werner Richtberg sieht keinen Grund für eine Strafmilderung: Die Taten seien nicht dem angeblich exzessiven Drogengenuss des Angeklagten geschuldet. Allerdings erzielte sein Verteidiger zumindest einen kleinen Erfolg. Es könnte aber auch ein großer werden.

Kein Geld, keine Chance, keine Berufung

HANAU. Der Prozess um Drogenhandel in der „Knasterbox“, einem ehemaligen Laden in der Hanauer Innenstadt, geht nun doch nicht in eine weitere Runde: Ex-Inhaber Thorsten S. zog seine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil (neun Monate auf Bewährung) zurück. Er hatte sogenannte Legal Highs verkauft, das sind Kräutermischungen, die als Badesalz oder Lufterfrischer deklariert werden, aber halluzinogene Substanzen enthalten.

Opfer gelassen, Täter entnervt

Eine Knarre allein macht noch keinen harten Burschen und garantiert erst recht keinen Erfolg beim Raubüberfall. Foto: Donald Pleasance in „Halloween“, 1978

HANAU. Ferhat soll einer der Räuber gewesen sein, die vor zwei Jahren einen Caravanverleih in Maintal-Dörnigheim überfielen. Vor dem Landgericht erzählt Ferhat aus seinem Leben; von Drogen, Spielsucht, hohen Schulden. Und dann dieses dilettantische Gewaltverbrechen. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn sich die aus der Türkei stammende Familie mal besser integriert hätte in Deutschland. Aber das ist ja das alte Lied …

Zwei Männer, zwei Welten, ein Tag im Gericht

So sieht’s aus: Marihuana bringt die Jugend um. Die will’s nur nicht glauben! Historisches Anti-Drogen-Plakat, USA. Quelle: Westword, Denver

HANAU. Stefan und Stephan sind sich vermutlich nie begegnet. Sie sind zwei nicht mehr ganz junge junge Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und doch haben sie etwas gemeinsam: den Hang zu Rauschmitteln. Der eine ist das verkommene, der andere das schillernde Gesicht der Drogenszene.

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